"Sie riechen deine Angst." - dies ist ein immer wieder gern bemühtes Zitat, wenn es um Disziplinprobleme im Klassenzimmer geht, gerade wenn der Hilfesuchende den Job noch nicht lange macht. Es stellt uns gegenüber: Die Schüler als wilde Raubtiermeute auf der einen Seite, immer kurz davor den Lehrer - auf der anderen Seite als vermeintlich starker Löwenbändiger in die Manege gekommen und nun wimmernd in der Ecke stehend als Schatten seiner Selbst, die Peitsche zitternd auf den Boden gesenkt haltend - zu zerfleischen. Kannst du das hungrige Donnergrollen ihrer Mägen hören? Guuuut, das Bild wirkt.

Zum Thema "mangelnde Disziplin im Klassenzimmer" hätte ich eigentlich meine Frollegin R. um einen Gastbeitrag bitten sollen, denn sie hat das Talent, das viele von uns  - unter anderem ich - gerne hätten, denn R. hat's drauf: In ihrem Unterricht ist es ruhig. Punkt.

Im Gegensatz dazu empfinde ich meine Stunden manchmal als das Volksfest der Gremlins, als Sturm der Piranhas im Wasserglas, als der Moment, in dem man die Bananen ins Affengehege geworfen hat - aber ich hatte keine dabei. Zeit für Verzweiflung? Nein. Zeit für Reflexion und für das einzig wahre Zauberwort: Konsequenz. Aber bevor wir uns Zauberwörtern widmen, sollten wir versuchen zu verstehen. Fangen wir vorne an.

Versetz' dich doch mal in ihre Lage.

Erinnerst du dich an deine eigene Schulzeit? Womit hast du dich im Unterricht beschäftigt? "Mitdenken und melden" werden die Fleißigen sagen, "Heimlich essen" die Hungrigen, "Meiner Nachbarin Herzchen ins Heft malen" die Dauerverliebten, "Bastelarbeiten" die Mini-Macgyvers und die Tine Wittlers, "Schlafen" die Chronisch-Übermüdeten und "Nicht auffallen" die Schweigsamen. Reduzieren wir das auf zwei einfache Daseinsformen: Schüler wollen entweder auffallen oder gerade nicht auffallen. Dazwischen ist luftleerer Raum.

Das klingt krass und wenn du an Konstantin-Lysander denkst, kannst du vielleicht mit berechtigter Sorge sagen, dass es nicht nur am Auffallen-Wollen liegen kann, dass er Natascha-Chiara mit Papierkugeln der Größe einer Faust beschießt, Johannes-Jochen in seinen Pulli einschnürt und alle Arbeitsblätter mit Genitalien verziert. Aber lassen wir den einzelnen Konstantin-Lysander mal außen vor, betrachten wir die Klasse erst einmal als Gruppe: Der Grundzustand eines Schülers im Unterricht ist Langeweile und diese muss besiegt werden. Dabei ist Langeweile kein per se negativer Zustand, sondern meint zunächst den Entzug aller Beschäftigungsvorlieben aus der Freizeit. Im Unterricht wird nicht gespielt, man darf sich nur in einem vorgegebenen Radius bewegen und die Gespräche sind bitte einzustellen. Schwer nachzuvollziehen, wenn man auf der anderen Seite des Pults gerade unter Strom steht, weil man den lieben Kleinen doch etwas Wichtiges für's Leben beibringen will. Ist aber so.

Die, die wir als klug und engagiert empfinden, bekämpfen diese Langeweile durch die Beschäftigung mit dem Unterrichtsgegenstand. Sie denken mit, schreiben mit, melden sich, haben Ideen - aber das leisten selbst die engagiertesten Musterschüler nicht bei jedem Thema, denn auch sie haben Vorlieben und können mit manchen Stoffen nichts anfangen. Durch müssen sie trotzdem. Wer sich nicht mit dem Unterrichtsgegenstand beschäftigt - weil er nicht will, nicht mitkommt (wenn es blöd läuft), gerade einen schlechten Tag hat etc. pp. - der schläft im Bestfall bei scheinbarer Aufmerksamkeit mit offenen Augen vor sich hin. Im Worstcase schießt er mit kanonenkugelgroßen Papierbällen. 

Stoffkeule to go - mit viel Glitzer

Der erste Schlüssel für die Vermeidung von Langeweile ist also eine sinnvolle Unterrichtsplanung. Wir müssen die Stoffe spannend aufbereiten, die Schüler fesseln, sie mitreißen. Yay. Referendariat lässt grüßen: Einmal den glitzernden Happy Meal für die Französische Revolution to go bitte - Lieferung Freitag, sechste Stunde, nach der Abfrage, dem Geldeinsammeln und der Diskussion über die nächste Klassenfahrt. Na gut, backen wir kleinere Brötchen: Für's Erste reicht, dass sie beschäftigt sind. Mit einer Aufgabe, die sie verstehen und leisten können. Deren Sinn ihnen klar ist und die ihnen nicht wie eine sinnlose Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vorkommt. Wenn du also weißt, was sie tun sollen und warum, dann ist das schon ein guter Anfang. Leider ist es nicht alles, denn sie mit Aufgaben bis unter's Dach zuzuwerfen wirkt eben nur über einen begrenzten Zeitraum, bei Traumschülern und sicherlich in Lehrproben. Man kann damit sicherlich auch "durchregieren", das nennt man dann die "Stoffkeule" und das bedeutet, dass man den Schülern eben keine Luft mehr lässt, nach rechts und links zu sehen, weil sie dafür zu viel zu tun haben. Das kann wirken - auf Dauer erzeugt es aber Unmut. Bei den Schülern, die das Fach deswegen als unangenehm empfinden, bei den Eltern und vielleicht auch bei den Kollegen, die immer wieder gebeten werden, keine Hausaufgaben aufzugeben, weil die Liste schon so lang ist. Abgesehen davon ist es ungemein anstrengend und nimmt einem selbst den ganzen Spaß am eigenen Fach, denn wenn die Luft dünn wird, gedeihen selbstständige Erkenntnisse nur noch bei denen, die das Pensum locker schultern können. Alle anderen freuen sich auf die Ferien, wenn sie den zentnerschweren Seesack in die Ecke werfen können. Spätestens in dem Moment, in dem du mal nicht so gut vorbereitet bist wie sonst oder indem die Stillarbeit zur Die-ganze-Klasse-diskutiert-mit-Arbeit wird, stehst du da und denkst: "Was hab ich nur falsch gemacht?"

Fragen wir anders: "Warum machen die das?" und für die Antwort stelle ich mal die gewagte These in den Raum, dass Schüler nicht böse sind - zumindest nicht Die-Hyänen-aus-König-der-Löwen-böse. Meine wunderbare Mentorin H. fasst dies in einem Satz zusammen, der bei mir viel bewegt hat, obwohl er so unscheinbar ist: "Sie wollen halt gesehen werden." Das klingt vollkommen unspektakulär, denn du siehst sie doch: Wenn sie sich melden, wenn sie schlafen, wenn sie mit dem Fidget Spinner spielen und wenn sie Kaugummi kauen. In den letzten drei Fällen wollen sie keinesfalls gesehen werden - im ersten immer. Ein klassisches Dilemma des Unterrichts in Gruppen mit mehreren Schülern. Schüler erwarten das, was in Klassen mit mehr als 15 Schülern verdammt schwer zu leisten ist: Sie wollen gesehen werden - als Person, als Persönlichkeit. Und das ist gar nicht so unverständlich, denn den Lehrer als Person sehen sie stundenlang, tagelang, wochenlang. Sie sind gezwungen, uns anzusehen. Wahrscheinlich kennen sie Muster in unserem Kleiderschrank, die wir nicht sehen #montagsimmerrosa, wissen, wo wir uns kratzen, wenn wir verlegen sind und können einen Durchschnitt des Äh-Sagens in einer Schulstunde bei allen Kollegen ohne Taschenrechner ausrechnen. Und weil sie zugleich noch nie auf der anderen Seite des Pults standen und all das gleichzeitig tun mussten, was der Lehrer zu tun hat, glauben sie, dass wir all das auch bei ihnen wahrnehmen sollten. Wir verbringen schließlich die gleiche Zeit mit ihnen wie sie mit uns, wir sehen ihre Hefte durch und korrigieren ihre Tests.

Während wir in einer einzelnen Unterrichtsstunde also für gewöhnlich unentwegt kommunizieren, weswegen uns in unserem eigenen Unterricht kaum langweilig werden kann, ist es für einen Schüler ein "Highlight" der Stunde, wenn er drankommt - und das kann positiv oder negativ sein, je nachdem, ob er dafür gelobt wird oder eben nicht. In jedem Fall heißt es, dass zwei vollkommen unterschiedliche Wahrnehmungen gleichberechtigt nebeneinander existieren, denn die Bedeutung einer einzelnen Interaktion ist für einen Schüler deutlich größer als für uns, weil sie deutlich seltener vorkommt.

Tritt das auf, was wir als Disziplinproblem bezeichnen, hat das also zunächst einmal die Ursache darin, dass 25-30 Individuen gleichzeitig darum ringen, Aufmerksamkeit zu bekommen, während sie - oh, herrliches lehrerzentristisches Weltbild - doch eigentlich konsequent auf uns konzentriert sein sollte. Und weil auch Erstklässler schon verstehen, dass die Aufmerksamkeit von vorne nicht immer so leicht zu bekommen ist, versuchen sie es halt gerne mit der Aufmerksamkeit der anderen Schüler, denn um die ist es bei Anwendung der richtigen Taktik recht gut bestellt.

Das Zauberwort

Kommen wir - endlich - zum Zauberwort, denn Konsequenz ist das einzige, womit dem zu begegnen ist. Konsequenz kann als Strenge, hartes Durchgreifen, disziplinarische Maßnahmen ab der ersten Regung verstanden werden - und damit zu einem gewissen Teil miss-. "Sie müssen konsequent(er) sein", ist eine Floskel, von der ich behaupten will, dass sie in der Ausbildung ständig gebraucht wird. Synonym sind "Sie müssen sich durchsetzen/ durchgreifen." und - ganz alte Schule - "Sie müssen Härte zeigen." "Sei hart wie Kruppstahl!", denkt die Geschichtslehrerin in mir und denkt gleich anschließend: Fail.

Ich habe lange gebraucht, bis ich Konsequenz richtig verstanden hatte. Konsequent mag es sein, hart zu sein und durchzugreifen - aber davor kommt so viel mehr. Ich versuche es zu erklären: Wir gehen von einer unruhigen Klasse aus, in der ein Drittel aller Schüler vorlaut ist, ein weiteres Drittel lässt sich vom ersten Drittel sofort anstiften und dem letzten Drittel macht es nichts aus bzw. sie würden sich nie trauen, etwas dagegen zu unternehmen. Wir kommen wohlwollend in diese Klasse, denn Wohlwollen ist niemals schlecht. Die Klasse ist aufgeweckt, die Schüler arbeiten mit, können gute Ergebnisse bringen. Aber nach wenigen Stunden wird es laut, zu laut für unsere Ohren und diese Lautstärke lässt sich nicht runterregeln. Warme Worte halten zwei Minuten, ein Anpfiff fünf. Wir fragen die Klasse, woran es liegt. Sie sagen: "Sie müssen durchgreifen." Diese Ansage habe ich schon öfter gehört und jedes Mal war sie ein bisschen wie: Bääääm, in your face, Frau Wehpunkt! Sie wollen doch einen Drillsergeant, das bist du nicht. Geh heim und spiel mit deinen Kuschel-Pädagogik-Tieren! Fail. Oder?

Zaubern? - Die Praxis

Immer wieder stand ich vor dieser Forderung und fragte mich, was ich tun sollte. Zuerst malte ich Striche hinter Namen an die Tafel. Als nächstes bastelte ich ein Thermometer. Dann eine Ampel und schrieb Schülernamen daneben und verteilte Zusatzaufgaben, Termine für die Nacharbeit undsoweiterundsofort... Das führte nicht gerade dazu, dass ich mich besser fühlte, denn es erweckte in mir den Eindruck, dass ich mich ohne diese Mittel nicht durchsetzen könnte, dabei war wollte ich ihnen doch nur etwas beibringen und ich meinte es gut. Die Effekte waren mal besser, mal schlechter und mittlerweile weiß ich, dass sie auch deswegen noch nie so durchschlagend waren, wie ich sie gerne haben wollte, denn es reicht nicht, eine Ampel zu haben - man muss auch wissen, wofür sie steht und wie sie allen Beteiligten hilft:

Während man als Lehrer bei 25-30 Schülern pro Gruppe schnell nicht mehr überblicken kann, wen man ermahnt hat, hält die Aufmerksamkeitsspanne von Schülern für gewöhnlich nicht lange genug, um in einer 45-Minuten-Schulstunde zu umreißen, wie oft man wahrnehmbar gestört hat. Eine Ermahnung verhallt, zwar gehört, aber sie verhallt. Ein System an der Tafel dagegen - Ampel, Thermometer, Striche, ganz egal - visualisiert das Verhalten. Konsequenzen nach Störungen, die visualisiert werden, sind viel weniger diskussionsträchtig als solche, die nach ungezählten, rein auditiven Ermahnungen folgen.

Natürlich gibt es auch bei visuellen Systemen Diskussionen. Aber wenn du dir gerade in der Eingewöhnungsphase kurze Beobachtungsphasen gönnst, in denen du deine Tätigkeit kurz unterbrichst, Blickkontakt aufnimmst, Schüler anzählst und darauf verweist, mit dem Betroffenen nach der Stunde darüber zu sprechen, ebben diese schnell ab. Ich glaube, das ist der Punkt, von dem dieses blöde Zitat kommt, dass Schüler Angst riechen könnten: Wer als Lehrer vor der Gruppe einknickt, obwohl er sich sicher ist, im Recht zu sein, verliert. Nicht, weil er damit automatisch eine schwache Person ist, sondern weil Schule auf vermeintlich klaren Rollen basiert, die ausgefüllt werden wollen. Das bedeutet nicht, dass man deswegen ein strenger alter Pauker ist: Der Schüler, der sich wirklich ungerecht behandelt fühlt, verteidigt sich im Einzelgespräch auch am Ende der Stunde - solange er keine Angst vor dem Lehrer haben muss. Und Konsequenz hat nichts mit Angst zu tun.

Betrachten wir Konsequenz doch einmal aus den Augen der Schüler:

  1. Ich will, dass mein Lehrer konsequent ist.
  2. Ich will, dass die schlechten Beiträge als solche bewertet werden.
  3. Ich will, dass bei Unterrichtsstörungen die Störenfriede bestraft werden.
  4. Ich will, dass gute Leistungen gelobt werden.

Klingt das nach Härte, Druck und Strafe? Nein, ich wage stattdessen eine These: Konsequenz bedeutet in den Augen der Schüler Fairness. So gern sie alle gesehen werden wollen, lernen sie doch schnell, dass das nicht geht. Deswegen geht es bei diesem Verständnis von Konsequenz um einen Minimalkonsens der Gleichbehandlung. Lob für das Gute, Tadel für das Schlechte. Je mehr man den Eindruck erwecken kann, dass man diesem Anspruch gerecht wird, desto eher gilt man als konsequent.

Und wie machst du das in der Praxis, Frau Wehpunkt?

Es gibt keinen Königsweg. Ich bin noch nicht ewig im Geschäft, vieles hängt von der Lehrerpersönlichkeit ab, noch mehr von der Klasse. Und an dieser Stelle möchte ich allen Anfängern etwas mit auf den Weg geben: Ausbilder werden dir sagen, dass es besser ist, zuerst strenger zu sein und dann allmählich "die Zügel lockerer zu lassen". Du wirst ihren Rat beherzigen wollen, aber möglicherweise fällt es dir sehr schwer. Das liegt nicht daran, dass du nicht weißt, was Konsequenz ist - obwohl ich natürlich hoffe, dass dieser Beitrag ein bisschen zum Verständnis beitragen kann - sondern daran, dass jemand, der noch nicht dauerhaft (und damit meine ich nicht nur ein paar Wochen oder Monate) unterrichtet hat, gar nicht genau wissen kann, was ihn stört. Was beim ersten Mal witzig ist, nervt beim zweiten und dritten Mal kolossal. Was heute ein störender Beitrag ist, kann morgen eine gute Frage zum Unterrichtsgeschehen sein. Gib dir Zeit, reflektiere, was dich stört und merke es dir für's nächste Mal. Solange du nicht bösartig reagierst oder gleich beim ersten Reinrufen drei Seiten aus dem Buch abschreiben lässt, ist es nicht verkehrt, von Anfang an Wert darauf zu legen, dass die Reihenfolge "Melden - Sprechen" lautet, dass der Kaugummi vor der Stunde rausgenommen wird und dass pünktliches Erscheinen eine Frage des Anstands ist.

Meine Regeln, an die ich mich - mehr oder weniger konsequent, hehe - halte, sind mittlerweile:

* Ich meine damit ausdrücklich NICHT, dass diese Konsequenz "wehtun" muss, sondern dass sie nicht als positiv empfunden werden sollte, weil sie sonst wirkungslos ist oder gegenteilig wirkt. Beispiel: Eigentlich lasse ich gern Gedichte schreiben und Vortragen, wenn es um einzelne Störenfriede geht, weil diese oft die Erfahrung des Vortrags vor der Klasse als unangenehm empfinden. Allerdings hatte ich auch schon Schüler, die sehr gern dichteten und wahre "Rampensäue" waren. Für diese war es keine negative Konsequenz, sondern eine Belohnung, weswegen ich auf andere Konsequenzen umgeschaltet habe.

In der Praxis bedeutet das für mich, dass eine gute vor- und nachbereitete Stunde auch einen Disziplin-Teil hat und auch wenn es mich schrecklich langweilt, ist gute Buchführung für Konsequenz die halbe Miete: Zu Beginn der Stunde kommt meine Hausaufgabenliste zum Einsatz (Wer hat was vergessen?) und die Konsequenzen der letzten Stunde werden abgehakt. Während der Stunde visualisiere ich die Störungen und an ihrem Ende gibt es die Konsequenzen für die Störenfriede. In der Nachbereitung brauche ich die Ermahnungsliste, die mich daran erinnert, wann Eltern ins Boot geholt werden müssen oder Zeit nachgeholt werden muss.

Ich könnte noch hundert andere Listen führen: Einzelne "Wer hat was vergessen"-Listen, minutengenaue Zuspätkommer-Listen, "War frech zur Nachbarin"-Listen, "Gibt seine Schulaufgabe immer zu spät zurück"-Listen undsoweiterundsofort. "Das artet ja in Stress aus!", wirst du jetzt sagen und auf den ersten Blick magst du Recht haben. Aber erinnern wir uns an den Zweck des Ganzen: Schüler wollen gesehen werden. Haben sie den Eindruck, dass man sie sieht - und dabei helfen diese Listen durchaus, wenn man in der Lage ist, über den Papierrand zu blicken und mit den Kindern auch mal ein weiteres Wort zu wechseln - dann lösen sich viele andere Probleme *fast* wie von selbst. Nicht, weil man Druck ausgeübt hat. Sondern weil man damit - so gut es eben geht - versucht, fair zu sein und trotz aller Schwierigkeiten den Überblick zu behalten.

Frau Wehpunkt wagt ein Fazit

Schüler wollen keinen Feldwebel, der sie zum Aufwärmen mit hundert Liegestützen quält, die Forderung nach dem Durchgreifen ist kein Betteln nach Strafe, auch wenn es in ihrem Verständnis vielleicht zunächst darum geht, dass Störenfriede geschimpft werden müssen. Die Forderung nach dem Durchgreifen bedeutet wiederum nichts anderes - ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber ich halte es für ungemein wichtig - dass sie gesehen werden wollen.

Konsequent zu sein bedeutet, dass Schüler sehen, dass ihr Handeln Konsequenzen hat. Handeln, das schlecht für sie und andere ist, hat negative Konsequenzen. Handeln, das gut für sie und andere ist, hat positive Konsequenzen. Die Idee ist einfach, die Umsetzung erfordert viel Konsequenz - allerdings vom Lehrer. Wenn wir ehrlich sind, ist das das eigentlich Schwierige daran. Aber es gibt Hilfsmittel, die wir einsetzen können und die beiden Seiten die Zusammenarbeit - huch, fast hätten wir das Ziel aus den Augen verloren - erleichtern.

Und während ich das geschrieben habe, denke ich darüber nach, ob meine Ampel vielleicht doch auch eine grüne Seite bekommen und meine neue Liste "Lobeshymnen" heißen sollte. Ich sollte dringend mehr daran denken, das Gute konsequent hervorzuheben.


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