Abstract

Worum geht's? Im Vol. 3 der Tutorial-Serie "Pad-agogisch wertvoll" wird es endlich praktisch und wir basteln ein bisschen - ich hoffe, ihr habt an Schere & Kleber das Aufladen eures Laptop-Akkus gedacht & Word installiert, denn in den folgenden Zeilen widme ich mich einer ausführlichen Erklärung, was man damit in Bezug auf Arbeitsblätter so anstellen kann...Viel Spaß!

Warum Word?

Der Ruf von Microsoft und Windows schallt mit gespaltener Zunge: Während die Nerd-Fraktion Unmut über die Programme bekundet, sind Windows und Office gleichzeitig unglaublich weit verbreitet und können an vielen Schulen quasi als "offizielle Arbeitsprogramme" bezeichnet werden. Ich erstelle schätzungsweise 95% meiner Arbeitsblätter mit MS Word und mir fallen eine ganze Menge guter Gründe ein, das auch weiterhin zu tun:

  1. Word ist massenkompatibel - beim Weiterschicken, Tauschen & Anpassen klappt es mit .docx-Dokumenten in unserem Kollegium definitiv am besten.
  2. Die verschiedenen Anforderungen, die ich bewältigen muss, werden durch das Programm gut abgedeckt. Natürlich brauche ich es häufig für Arbeitsblätter, aber auch Organisationsdokumente und längere wissenschaftliche Texte schreibe und bearbeite ich damit.
  3. Ich bin es gewohnt, damit zu arbeiten, denn seit meiner Facharbeit 2008 verwende ich das Programm quasi täglich. Auch wenn ich gerne Neues ausprobiere, ist der Faktor des Auskennens und damit des Zeitsparens enorm wichtig.
  4. Word ist besser geworden. Zwischen der ersten wirklichen Word-Version, an deren Benutzung ich mich erinnere (müsste die zu Win98 gewesen sein) und Word 2016, was aktuell auf meinem Rechner installiert ist, liegen Welten - gerade in der Benutzerfreundlichkeit.
  5. Für die Empfehlung wurde ich noch nie geköpft - im Gegenteil. Wenn es um Arbeitsprogramme geht, habe ich schon mehrfach - im Studium wie im Lehrerzimmer - den Umstieg von OpenOffice zu Word empfohlen und bin gerade bei weniger technikaffinen Nutzern auf rege Zustimmung gestoßen.
  6. Word kann was. Und damit meine ich eben nicht "auf die Nerven gehen, abstürzen, einen zur Weißglut bringen". Ich kenne mich mittlerweile ganz ordentlich aus, probiere immer weiter und versuche alle Ideen so umzusetzen, wie sie mir in den Kopf kommen. Dabei stoße ich erfreulich selten an die Grenzen der Machbarkeit durch das Programm - deutlich häufiger schränkt mich das A4-Format ein... 😉
  7. Du bist noch nicht überzeugt? Dann will ich es - bevor wir in die Vollen gehen - noch mit ein paar Beispielen versuchen, die wir uns auch später noch genauer anschauen werden. An diesen Beispielen kann ich auch noch einen Vorteil aufzeigen, der mir persönlich wichtig ist: Es sieht nicht immer alles gleich aus. Natürlich sind Baukastensysteme wie tutory oder der WorksheetCrafter total praktisch und vielleicht bin ich auch einfach ein bisschen eitel in dieser Hinsicht, aber ich finde es total schade, wenn ein Arbeitsblatt zu Märchen genau so aussieht wie zur Polynomdivision oder zur Photosynthese und finde deswegen, dass man die volle Palette der Gestaltungsmöglichkeiten ausnutzen sollte, die bei spezifischen Arbeitsblatt-Programmen nicht immer gegeben sind.
  • Legende:
    • AB 1: Infoblatt zum Thema Balladen, Deutsch GYM 7
    • AB 2: Infoblatt zum Thema Dialekte, Deutsch GYM 8
    • AB 3: Übersicht zum Teufelspakt im "Faust", ihr seht die ausgefüllte Version, Deutsch GYM 11
    • AB 4: Quiz zur Lektüre "Caius ist ein Dummkopf" (Textverstehen), Deutsch GYM 5
    • AB 5: Übungs- und Regelblatt zum Thema Wörtliche Rede (Wiederholung), Deutsch GYM 5
    • AB 6: Aussagen für einen Bericht passend zu "Der kleine Hobbit", Deutsch GYM 6
    • AB 7: Verfassungsschaubild zur Römischen Republik (unausgefüllt), Geschichte GYM 6

Anmerkung: Die Illustrationen auf den Arbeitsblättern 1, 3 und 5 sowie das Feuerwerk auf AB 6 stammen nicht aus meiner Feder.

Was mir an Arbeitsblättern wichtig ist

Nun habt ihr eine kleine Auswahl gesehen und euch ein Bild gemacht - ich dagegen muss leider weiterschreiben, ohne zu wissen, wie ihr sie findet - obwohl es mich sehr interessieren würde. Wie schon gesagt, werden wir auf die einzelnen Blätter und die Techniken, mit denen sie gestaltet sind, noch genauer eingehen. Jetzt geht es mir erst einmal darum, Kriterien für gelungene Arbeitsblätter aufzustellen:

Ein gelungenes Arbeitsblatt...

  1. ...ist optisch ansprechend und im besten Fall passt die Gestaltung zum Gegenstand.
  2. ...ist übersichtlich.
  3. ...muss nicht linear sein und schon gar nicht immer hochkant. (z.B. AB5)
  4. ...zeichnet sich durch gute Ausnutzung des Platzes aus. (z.B. AB 2)
  5. ...bietet einen Mehrwert für die Schüler.
  6. ...wird aus einer klaren Ursache ausgegeben und ist nicht sinnlos bedrucktes Papier. (Ich gebe zu, AB 3 hätte man damals auch einfach als PPP machen können...)
  7. ...ist so eindeutig, dass es an Kollegen weitergegeben werden kann.
  8. ...ermöglicht es den Schülern, auch ohne den Kontext der Stunde zu ersehen, worum es ging (zumindest ausgefüllt).

Und wie macht man das jetzt?

Damit ihr direkt am Beispiel sehen könnt, welche Möglichkeiten Word bietet und wie man sie einsetzt, dachte ich, wir entwerfen einfach mal zusammen ein Arbeitsblatt. Bitte seht es mir nach, dass ich mir dafür jetzt nicht unbedingt große Mühe bei der inhaltlichen Ausarbeitung gegeben habe, denn es geht mir hierbei wirklich darum, wie man den Text und alle anderen Elemente auf's Blatt kriegt und ausnahmsweise nicht darum, was draufsteht. 😉

Die Basics - presented by Rotkäppchen

Wir beginnen damit, das Blatt vorzubereiten und einzuteilen: Ich habe mich für Querformat entschieden und möchte später mehrere Spalten haben, außerdem möchte ich möglichst viel Platz haben und habe deswegen die Seitenränder auf schmal gestellt. Das alles funktioniert mit dem Reiter "Layout".Als nächstes ist der Reiter "Entwurf" dran. Hier kann man Voreinstellungen für die Optik auswählen, genauer die Schriftarten und die Eigenschaften der einzelnen Formate, also z.B. Fließtext/ Überschriften/ Aufzählungen. Dafür bietet Word sogenannte Formatvorlagensätze, also Sets, in denen die unterschiedlichen Teile schon mit verschiedenen Merkmalen gestaltet wurden. Ich suche mir also einen, der mir gefällt und wähle dazu passende Schriftarten aus, wobei das Programm auch hier die Überschriften vom Fließtext trennt und ihnen unterschiedliche Schriftarten zuweist, wenn ich das möchte. Hinzu kommen an dieser Stelle noch die Abstandsoptionen - eine praktische Sache, weil ich hier mit einem Klick für das ganze Dokument anpassen kann, ob zwischen den einzelnen Textteilen viel oder wenig Platz sein soll. Aus einer spontanen Laune heraus, beschließe ich, dass ich erstmal dringend ein Rotkäppchen-Textblatt brauche und kopiere den Märchentext. Ich passe ihn (komplett markiert) mit einem Klick auf "Standard" im Reiter "Start" an - jetzt habe ich zwar Inhalt, finde ihn aber noch nicht sehr sexy.

Als nächstes bekommt das AB einen Titel, den ich eintippe und dann mit der Formatvorlage anpasse.

Ich hätte den Text gerne auf einer Seite, verkleinere also die Schriftgröße im Reiter "Start" von 11 auf 10 pt, was das Minimum für 100%-Kopien ist. (Bei Verkleinerung von A4 auf A5 sollte die Schriftgröße mindestens 14 betragen.) Damit die Übersichtlichkeit besser wird, wende ich unter "Layout" die Lösung "Zwei Spalten" an.

Als nächstes brauchen wir Zeilennummern, damit wir uns im Unterricht besser über den Text verständigen können. Diese gibt es im Reiter "Layout" und ich wähle sie fortlaufend. Damit sie alle ordentlich angezeigt werden, kann es sein, dass ihr die Abstände an den Linealen hin- und herschieben müsst (falls diese nicht angezeigt werden, könnt ihr das im Reiter "Ansicht" > "Anzeigen" > Häkchen bei "Lineal" ändern. Da ich ein paar Leerzeilen drin habe, um den Text von der Überschrift abzusetzen, wähle ich diese Zeilen aus und dann entferne ich die Nummerierung der Zeile durch "Für aktuellen Absatz unterdrücken". Die überflüssige letzte Zeile wird einfach gelöscht.

Gerade weil so ein Märchen-Arbeitsblatt für die Kleinen ist, ist es so viel zu langweilig. Deswegen müssen ein paar Bilder her. Dazu nutze ich meistens die Bildsuche direkt in Word, denn sie ist auf "Creative Commons"-Lizenz voreingestellt und funktioniert  zuverlässig.

Ich habe mir ein Bild ausgesucht, aber plötzlich ist alles zerschossen und auf vier Seiten verteilt, während Rotkäppchen andächtig mittendrin ihren Platz eingenommen hat...

Rotkäppchen hat den falschen Textumbruch, beim Einfügen geht das Programm nämlich davon aus, dass sie ihre eigenen Zeilen bekommt. Das ändern wir im entsprechenden Drop-Down-Menü im Reiter "Format", der automatisch aufgeht, wenn das Bild, das wir bearbeiten wollen, angeklickt wird. Da sie nur Illustration sein soll, setze ich auf "Hinter den Text" (sollte sie daneben, würde ich "transparent" auswählen) und stelle fest, dass sie die Lesbarkeit beeinträchtigt. Also bekommt sie - weil das Arbeitsblatt ja sowieso schwarz/weiß kopiert wird, eine kleine Farbbehandlung: Zuerst färbe ich das Bild mit "Farbe" neu ein, dann helle ich es mit "Korrekturen" auf und et voilá......schon ist sie gar nicht mehr so auffällig.

Eine Erzählmaus für Fortgeschrittene

Rotkäppchen sollte die Grundlagen des Arbeitens mit Text & Bild erklären. Natürlich könnte man dem ganzen noch mehr Bilder hinzufügen, abgefahrene Schriftarten auswählen und den bösen Wolf steppen lassen. Widmen wir uns in einem nächsten Schritt der Erzählmaus, die ein bisschen mehr Spannung ins Spiel bringen soll... Ich drücke gleichzeitig Strg. + Enter und schon bin ich auf einer neuen Seite in meinem Dokument angekommen.

Als nächstes versuchen wir es mit einem quasi textlosen Arbeitsblatt, das von den Schülern ausgefüllt werden soll. Auf einem neuen Blatt fügen wir - so wie vorher Rotkäppchen, aber ohne weitere Bearbeitung - eine Erzählmaus als Grafik ein, die hinter dem Text stehen soll. Die Schüler sollen die Geschichte in Handlungsschritte zerlegen und deswegen brauchen wir Textfelder, in die sie etwas eintragen können.

Dieser Felder finden wir unter "Einfügen" > "Formen". Überhaupt gibt es hier eine reiche Auswahl an Formen, die wir für unsere Arbeitsblätter verwenden können, sodass wir auch die Pfeile finden, die wir gleich noch brauchen. Vorher stellen wir die Textfelder noch halbtransparent ein, sodass die anderen Linien durchleuchten, aber nicht überlappen. Das geht unter "Format" > "Fülleffekt" > "Farbverläufe". Klickt man auf "Weitere Farbverläufe", öffnet sich die rechte Seitenleiste, wo man die Transparenz einstellen kann.

Die Punkte verdeutlichen, welche Elemente auf der Maus eingefügt wurden. Bis auf das bereits bekannte Rotkäppchen-Bild handelt es sich dabei um Elemente, die in der Grafik-Baustein-Box von Word zu finden sind (der Text steht in einem Textfeld) und alle Eigenschaften können im Format-Reiter angepasst werden. Neben der Farbe und der Größe (die man natürlich auch durch ziehen mit der Maus verändern kann), ist vor allem die Sparte "Anordnen" wichtig, weil man hier Elemente nach vorne und hinten verlegen kann (also die Pfeile hinter die Kästchen, Rotkäppchen auf die Maus etc.).

Das fertige Arbeitsblatt sähe also so aus und eine Kleinigkeit gäbe es noch dazu zu sagen: Zugegeben, die Erzählmaus ist nicht die schönste der Welt...aber stellen wir uns vor, alle, die ich online gefunden hatte, haben mir nicht gefallen und ich hatte Zeitdruck...

Überraschung: Auch die Maus ist aus Word-Grafik-Elementen zusammengebaut. Klar ist sie kein Dalí oder Picasso - aber sie erfüllt ihren Zweck, hat keine unnötigen Schnörkel und vor allem ist sie so aufgebaut, wie ich sie in diesem Moment brauche und nicht wie sie anderswo in Gebrauch ist. Dafür habe ich unter "Einfügen" > "Formen" zunächst einen Zeichenbereich eingefügt, dann die Maus aus verschiedenen Elementen "gezeichnet" und diese schließlich durch die Option "Format" > "Gruppieren" (siehe Screenshot) zu einer Grafik zusammengefügt, die ich überall außerhalb des Zeichenbereichs genauso einsetzen kann wie Rotkäppchen.

Eine kleine Rekapitulation

Ich könnte euch das jetzt noch mit jeder Funktion, die ihr unter "Einfügen" findet, vorführen: Tabellen, Diagramme, weitere Grafiken und und und... Aber ich wollte das Grundprinzip erklären - und bei konkreten Fragen schreibe ich selbstverständlich gerne an einer Fortsetzung. Für den Moment fasse ich aber zusammen, dass das Grundprinzip der Linearität von Word für die Gestaltung von Arbeitsblättern durchbrochen werden kann und damit vielfältige Gestaltungsspielräume offenlegt. Dies beginnt mit der Anordnung im Vorder- und Hintergrund, wie wir es mit Rotkäppchen im ersten Beispiel gemacht haben und lässt sich mit Hilfe von Textfeldern, Grafiken und Symbolen auf die Spitze treiben, sodass komplexe Geflechte entstehen können, die optisch Beziehungen verdeutlichen und zum Systematisieren anregen. Als Beispiele habe ich zunächst einfache Strukturen gewählt, weil das Erklären im Tutorial linear doch deutlich leichter fällt als vernetzend - dazu ist die Blogform nicht gemacht. 😉

Damit das aber nicht so stehen bleibt, als käme am Ende nicht mehr dabei heraus als ein Rotkäppchen hinter einem Text und eine fragwürdig gelungene Erzählmaus-Skizze, kommen wir zurück zu anderen Beispielen - erinnert ihr euch noch an den Anfang, als ich sie euch zeigte? Damit sie nicht einfach nur so als Anschauungsmaterial stehen bleiben, habe ich versucht, durch markieren (mit FoxitPDF) deutlich zu machen, welche Elemente verwendet wurden, um die ABs zu gestalten. Als PDF kannst du dir alles hier herunterladen.

Damit will ich zeigen, dass das Grundprinzip immer dasselbe ist, denn es besteht aus Text & Grafiken, aus linearen und nicht-linearen Elementen und natürlich gibt es Möglichkeiten, das Ganze aufzuhübschen, damit es nicht so aussieht wie im Schulbuch... *hust* #geschichtsbücherausdemvorletztenjahrhundert

Neben allem, was wir uns schon gemeinsam angesehen haben, spielen dafür außerdem noch Fonts eine Rolle: Fonts sind unterschiedliche Schriftarten und neben denen, die auf eurem PC installiert sind, könnt ihr weitere herunterladen und installieren und damit auch Arbeitsblätter gestalten. Eine riesige Auswahl gibt's auf Dafont.com.

Nachtrag: SmartArt

Ergänzend zum Grundprinzip möchte ich gerne noch die SmartArt-Funktion erwähnen, denn hier gibt es viele Strukturdiagramme schon fertig formatiert, so dass sie nur noch um Text und Grafiken ergänzt werden müssen - es lohnt sich also auch immer, hierauf einen Blick zu werfen, denn so kann man sich Arbeit sparen! 😉

Das war's

Wie schon gesagt, ich könnte ewig so weitermachen, aber wir wollen es dann doch mal bei einem im Umfang gerade noch übersichtlichen Anfang belassen. Für alles Weitere gilt: Fragt, fragt, fragt, wenn euch noch etwas ein- oder auffällt! - ich schreibe gerne eine Fortsetzung bei konkreten Anlässen! 🙂 Über alle anderen Arten von Feedback würde ich mich natürlich auch sehr freuen, haut in die Tasten & macht's gut!

Kristina


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