Abstract

Worum geht's? Die ersten 5 Beiträge meiner kleinen Digitalisierung-für-Frischlinge-Tutorial-Serie haben wir hinter uns gebracht und bevor wir fortfahren, wird es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: Was haben wir uns bereits angesehen, was kommt als nächstes und wie ist das alles in den großen Rahmen der Digitalisierung und der Debatte um sie einzubetten? Um das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren, werde ich mich diesen Fragen in Vol. 5 von „Pad-agogisch wertvoll“ widmen.

Herzlichen Glückwunsch!

Wir haben es geschafft: Das erste Level und damit die ersten fünf Beiträge sind geschafft, die wichtigsten Vorbedingungen sind damit hoffentlich geklärt und wenn du es vorher noch nicht wusstest oder konntest, dann weißt bzw. kannst du jetzt

  • … warum ich das alles hier überhaupt mache. [Vol. 1]
  • … was du unbedingt anschaffen solltest, um die Digitalisierung nicht mit einer Adler-Schreibmaschine starten und damit zwangsläufig scheitern zu müssen. [Vol. 2a]
  • …welche PC-Programme ich benutze und für den Alltag als ausgesprochen hilfreich erachte. [Vol. 2b]
  • … wie du mit Word Arbeitsblätter gestalten kannst, die in Form und Optik nicht nur Schema F folgen. [Vol. 3]
  • … welche grundlegenden Kriterien eine Ordnerstruktur am PC erfüllen sollte, um alles wiederzufinden. [Vol. 4]

Und nun?

Nur um dir zu sagen, dass du nun ein Level weiter bist, hätte es keinen eigenen Post gebraucht - dieser eine Satz wäre am Anfang des nächsten auch unterzubringen gewesen.

Zugegebenermaßen fand ich es nicht ganz einfach, die meisten dieser Beiträge zu schreiben und das liegt vor allem daran, dass ich mir teilweise ein bisschen vorkam, als würde ich eine „Lernen lernen“-Einheit, die in Bayern in der fünften Klasse vorgesehen ist, in der zwölften Klasse durchführen. Gleichzeitig weiß ich natürlich aus den zahlreichen Gesprächen mit den Kollegen, die mich auf die Idee gebracht haben, mit dieser Serie anzufangen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass praktische Software installiert ist, dass man mit Word im Schlaf umgehen kann und dass man auf seinem Rechner einfach so alles wiederfindet, habe es also trotzdem immer wieder geschafft, mich davon zu überzeugen, dass es sinnvoll ist, an eben diesem Punkt anzusetzen, um möglichst viele Leute abzuholen und nicht mit vermeintlichen Special Interest-Tutorials zu starten, wie ich sie ja in der Vergangenheit bereits geschrieben habe.

Und weil das #twitterlehrerzimmer (stellvertretend für alle an Digitalisierung interessierten und mit ihr vertrauten Kollegen) bzw. sein Informationsstand eben nicht Standard ist, bedarf es einer weiteren Einordnung dessen, was wir in den ersten Posts dieser Reihe gemeinsam betrachtet haben:

Ein ernstes Wort

Wenn ich jetzt sage, dass das, was bisher Stoff war, noch überhaupt nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hatte, dann ist das zwar überspitzt formuliert, der Grund für diese Behauptung sollte aber mit einer einfachen Erklärung transparent werden: Digitalisierungslevel 1 erreicht die Schüler nicht, sondern dient lediglich der Digitalisierung der Lehrperson.

Warum wir dennoch damit angefangen haben? Dafür gibt es zahlreiche Gründe:

  1. Beginnt man als Lehrer mit der Digitalisierung direkt im Klassenzimmer, entsteht genau der Effekt, der so viele vor ihr zurückschrecken lässt: Das Gefühl, dass man sich nicht auskennen könnte und sich möglicherweise vor der Klasse blamiert, führt dazu, dass man es lieber ganz lässt. Deswegen macht es meiner Erfahrung nach Sinn, sich erst selbst mit den Geräten und Programmen vertraut zu machen, bevor man sich damit vor die Klasse stellt. (Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich der Meinung wäre, dass man nur als Vollprofi Dinge wagen kann oder dass keine Unsicherheiten vor der Klasse passieren dürfen, denn dann hätte ich selbst bisher kaum etwas ausprobiert. Es geht mir lediglich um das gewisse Maß an Selbstbewusstsein, das man durch Expertise gewonnen haben sollte, um sich in einer Situation wohlfühlen zu können, denn es sind dann doch die wenigsten von uns, die in eine Klasse gehen und dort zum ersten Mal ausprobieren, was sie irgendwo gehört oder gelesen haben…)
  2. Wir sind es gewohnt, Lernen in systematische Zusammenhänge zu bringen und bei der Schwierigkeit progressiv vorzugehen. Dieses Prinzip, das ich bei der Konzeption von Unterrichtseinheiten ständig anwende, ist mir natürlich auch beim Schreiben von Tutorials wichtig. Führt im Unterricht die Binnendifferenzierung zu Gleichzeitigkeiten wegen der Niveauunterschiede, gibt es hier ja auch die Möglichkeit etwas auszulassen oder nur zu überfliegen. 😉
  3. Auch bei vermeintlichen Selbstverständlichkeiten gibt es Entdeckungspotenzial. Und seien es auch nur Kleinigkeiten: Immer wieder zeigt sich im Gespräch mit Kollegen über vermeintliche Banalitäten ein Aspekt, der einfacher zu bewerkstelligen wäre, wenn man denn XYZ vorher gewusst oder gekannt hätte. Warum also nicht erst einmal darüber schreiben, bevor es zu schwierigeren Dingen geht?
  4. Wer das Lernen und Lehren digitalisieren möchte, sollte überzeugt sein, dass das Medium, dessen er sich bedient, die bestmögliche Wahl für das Ziel seines Unterrichtsgegenstandes ist. Ob das der Fall ist, muss nicht nur für digitale, sondern auch für analoge Medien und die damit in Zusammenhang stehenden Methoden immer wieder geprüft werden. Wer als Lehrperson nicht die Chance bekommt, Digitalisierung von Grund auf selbst zu vollziehen und damit die besten Mittel für sein eigenes Schaffen zu wählen, hat umso weniger Möglichkeiten, einen Mehrwert in der Digitalisierung seines Unterrichts zu erkennen. Am Beispiel illustriert: Ist man aufgrund mangelnder Fertigkeiten in der Bedienung digitaler Medien auch im Jahr 2017 der Meinung, dass das Ausschneiden, Aufkleben und Kopieren das beste Mittel ist, um ein neues Arbeitsblatt herzustellen, wird man wenig Sinn darin sehen, den Schülern ein dem Arbeitsprozess entsprechendes Vorgehen mit digitalen Hilfsmitteln beizubringen. Alles, was er in dieser Hinsicht anginge, würde er halbherzig betreiben und wir alle wissen, dass es ein enorm schweres Unterfangen ist, Schülern etwas beizubringen, für das man selbst weder Überzeugung noch Sympathie aufbringen kann.

Frischauf zu Level 2!

Bitte lass dich nicht davon entmutigen, dass sich Level 1 hinterher nur als Vorarbeit herausgestellt hat – Sprachlehrer wissen, dass man ohne Wörter keine Sätze bildet und Mathelehrer, dass man ohne das Einmaleins beim Kopfrechnen nicht allzu weit kommt, oder? Außerdem gehen wir ja mit großen Schritten auf das nächste Level zu, in dem die Digitalisierung des Lehrenden für die Schüler sichtbar wird, denn wir werden ein paar alte Gewohnheiten umstellen und uns hoffentlich das Leben und die vielleicht auch die Lehrertasche etwas leichter machen. Ich bin bereit – seid ihr es auch?

Alles Liebe!

Kristina


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