Abstract

Worum geht's? Vol. 4 der Tutorial-Serie "Pad-agogisch wertvoll" ist halb-Theorie-halb-Praxis und widmet sich dem alten Spruch "Ordnung ist das halbe Leben!", denn wer digital arbeitet, sollte auch ein System haben, mit dem man alles wiederfinden kann. Dafür gibt's zwar kein Patentrezept, aber ich stelle trotzdem gerne meine Variante vor.

Aufräumen in Digitalistan

Eine sinnvolle Ordnerstruktur zu finden, ist gar nicht so einfach - vor allem dann, wenn außerhalb des PCs noch eine analoge Struktur besteht, zu der die digitale passen soll. Bob Blume hat in seinem "Ordnungssysteme für Referendare" gleich beides vorgestellt und auch einen Einblick in alles Greifbare gegeben, deswegen empfehle ich auch die Lektüre dieses Artikels.

Ich beschränke mich an dieser Stelle auf ein paar Worte zu meiner Ordnerstruktur auf der Festplatte, die ich auch in einem Organigramm festgehalten habe:

  • Vorab: Der Schreibtisch: Der wichtigste Ordner für's alltägliche Arbeiten ist mein Ordner "Der Schreibtisch". Er ist in der Cloud gespeichert und enthält dann Ordner für die einzelnen Klassen mit den Materialien, die ich gerade brauche. Dieser Ordner ist das für mich, was für viele andere der USB-Stick ist, der in der Schultasche mitwandert, hat aber den entscheidenden Vorteil, dass er - solange wir Internetzugang im Klassenzimmerrechner haben - auch dann verfügbar ist, wenn ich den Stick mal wieder zuhause im USB-Port stecken gelassen habe. Alles, was auf dem Schreibtisch überflüssig ist, weil es schon abgehandelt wurde, geht direkt in die folgende Ordnerstruktur:Bei der Sortierung fahre ich dreigleisig: Dem Ordner "Schule" sind die Fachordner "Deutsch", "Geschichte" und "Sozialkunde sowie ein "Allgemeines"-Ordner zugeordnet. Spannend wird es vor allem unterhalb der Fachordner-Ebene, denn dort gibt es den "Fundus", das "Archiv" und den "Katalog" für jedes Fach.
  • Der Fundus: Hier sammle ich alles, was mir in die Finger kommt, für das ich aber gerade noch keine konkrete Verwendung habe. Sortiert wird nach Thema oder Herkunft und der Ordner wird gecheckt, wenn ich mich einem neuen Thema zuwenden muss oder Material brauche. Die goldene Regel lautet dabei, dass im Fundus nichts ist, was ich selbst erstellt habe, sondern nur Fremdmaterial.
  • Das Archiv: Hierhinein kopiere ich die kompletten Schuljahresordner einer bestimmten Lerngruppe, einsortiert in Ordner mit dem Fachkürzel und der Nummer (D5, D6, D7...) - wenn ich also im vergangenen Schuljahr die 6c in Deutsch unterrichtet habe, gibt es hier einen Ordner mit allen in diesem Zusammenhang verwendeten Dateien. Warum ich "kopieren" geschrieben habe? Weil ich die Dateien des laufenden Betriebs (abgesehen von sensiblen Daten) in der Cloud speichere, dienen die Ordner auf der Festplatte der Sicherung und Archivierung, werden aber nicht täglich, sondern nur monatlich oder nach Abschluss eines Themengebietes aktualisiert.
  • Der Katalog: Für den Katalog sortiere ich die Materialien aus dem Archiv so, dass sie nicht mehr auf die jeweilige Lerngruppe zugeschnitten gespeichert werden, sondern dass sie für zukünftige Klassen anwendbar sind. Dabei sortiere ich das aus, was mir nicht gefallen hat, füge die ein oder andere Notiz hinzu, wo noch Luft nach oben ist und mache damit die "Ablage" eines Halb- oder ganzen Schuljahres. Zum einen deswegen, weil man dafür ein wenig mehr Zeit & Muße braucht als im Normalbetrieb und zum anderen, um mit ein wenig Abstand meine Arbeit zu evaluieren. 

Pro-Tipp: Es lohnt sich, die Ordner zu nummerieren. Ich beginne mit "00..." (alle Ordner mit allgemeiner Funktion), danach kommt die Reihenfolge der Themengebiete im Lehrplan (häufig auch mit dessen Unterteilung, um ein allgemeingültiges Muster zu haben - das erleichtert den Austausch) und irgendwann kommt "099...", das sind die Ideen & Spinnereien, die man mal durchführen könnte, wenn man die Zeit hätte... 😉

Special Effects: Der Ordner "Highlights aus dem Giftschrank"

Mit dieser Struktur fahre ich mittlerweile sehr gut. Natürlich bedeutet das, dass auch einiges doppelt gespeichert ist -  da digitaler Speicherplatz aber deutlich leichter verfügbar ist als Platz im Arbeitszimmer, finde ich das nicht allzu tragisch. 😉

Hinzu kommt noch ein Ordner namens "Highlights aus dem Giftschrank" - das klingt schräg, hat aber einen ernsten Hintergrund, denn das sind die Sachen, die ich guten Gewissens & sehr gerne weitergebe und die ich anderen auf's Auge drücke, wenn ich in Sachen offener Unterricht, neue Lernmethoden, Sketchnotes, digitale Lerntheken oder sonstiger neumodischer Kram *hust* ein bisschen missionieren zum Ausprobieren anregen möchte. Vielleicht ist das nichts für jedermann, aber eigentlich finde ich, dass ein "Highlights"-Ordner eine schöne Gelegenheit ist, die Höhepunkte des eigenen Schaffens in den Blick zu nehmen, sich in Erinnerung zu rufen, was man selbst an schönem Material erstellt hat und vor allem hat man so eine Gedächtnisstütze an besondere Dinge, die man unbedingt wieder machen sollte, wenn man in hundert Jahren dann doch mal wieder eine neunte Klasse in Geschichte kriegt - oder so...

Fazit

Ich könnte weiter ausholen und euch etwas über meine Notizbücher in Evernote erzählen, über meine bisher vergeblichen Versuche, alles über OneNote zu organisieren (über Software habe ich mich in diesem Post ausführlich geäußert) oder über die Grenzen, an die ich gestoßen bin, als ich versucht habe, die Ordnerstruktur des PCs möglichst originalgetreu durch die passenden Büromaterialien abzubilden. Aber das ist ja gar nicht der Punkt.

Erinnern wir uns an den Anlass für diesen Artikel: Er steht im Rahmen einer Tutorial-Serie, in der ich die Grundlagen für Digitale Frischlinge erläutern will und damit will ich hier eben nicht alle Welt mit *dem perfekten System* indoktrinieren, stattdessen geht es mir mehr darum, für das Thema zu sensibilisieren, denn...

Merkheft auf, mitschreiben! 😎

Eine digitale Ordnerstruktur...

  • ...hilft dabei, den Überblick nicht zu verlieren.
  • ...ist idealerweise so sinnvoll und selbsterklärend angeordnet, dass man die Dateien ohne die Suchfunktion wiederfinden kann.
  • ...wird (andernfalls) durch sprechende (also auf den Inhalt hinweisende) Dateinamen unterstützt.
    • Beispiel:
      • Do:
        • D5_AB_Märchen_Merkmale.docx
        • G10_LT_DDR_Alltag.pdf (LT = Lerntheke)
      • Don't:
        • AB 5a.docx
        • Lerntheke 10b.pdf
  • ...könnte auch von anderen Kollegen verstanden werden. (> Klarheit für den Nutzer, Austausch von Materialien)
  • ...wächst mit und verändert sich. (> Prozesscharakter des Arbeitens)
  • ...wird gepflegt.
  • ...findet sich auch komplett in der Datensicherung auf einer externen Festplatte wieder und wird im Idealfall auch auf Mobilgeräten genutzt.
  • ...erleichtert damit hoffentlich das Arbeiten und spart Zeit.

Das war's zum Thema "Digitale Ordnerstruktur" - heute habe ich mich glatt mal etwas kürzer gefasst als in den letzten Artikeln - trotzdem oder gerade deswegen würde ich mich natürlich auch wieder über eure Fragen, Tipps & Anregungen freuen! Solange mein PC über ein anderes Betriebssystem als mein Tablet & mein Smartphone verfügt, werde ich wohl nicht zu einer All-in-One-Lösung kommen - was mich aber immerhin vom Fluch befreit, entweder Ordnung oder totales Chaos in meinen Daten zu haben. 😀

Kristina


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