Um uns herum tobt es. Ich muss die weltpolitische Situation nicht schildern, das tut die „Tagesschau“ täglich, der „Spiegel“ schreibt über sie, die „Zeit“ und viele andere kluge Köpfe. Es geht ab – und wir wissen nicht wohin, man kann es mit der Angst zu tun kriegen. Ich kann es nur im Ansatz verstehen, wie es ist, wenn man für einen kleinen Menschen Verantwortung trägt, aber ich habe ein Gefühl dafür bekommen, wie es sich anfühlen muss, den Eindruck zu haben, dieses unschuldige Wesen in eine Welt gesetzt zu haben, die nicht gut für es sein könnte.

Ich spreche im Unterricht über Assads Fassbomben auf sein eigenes Volk und über Hitler und diese grausame Zeit, die für überhaupt nichts gut war außer dass alle Generationen für alle Zeiten endlich wissen sollten, dass sich das nie im Leben wiederholen darf. Ich habe jedes Mal selbst mit den Tränen gerungen, wenn ich darüber sprach und es gibt Tage, an denen ich wünschte, ich wäre keine Lehrerin geworden, weil ich eben nicht abstumpfe, sondern alles mit jeder Begegnung immer näher an mich herankommt.

Aber dann sind da diese kleinen Momente, wenn man mit einer Klasse vor einem moralischen Dilemma steht und sie mir überhaupt nicht folgen können, weil sie das Böse an einer Denkweise überhaupt nicht fassen können. Selbst die pubertierendste achte Klasse, die man täglich auf den Mond schießen will, hat ein verdammt gutes Gefühl dafür, was gut ist und schaut mich mit großen Augen an, wenn ich ihnen Motive näherbringen will, die voraussetzen, dass man nicht aus eigenem Antrieb gut handelt. So verdorben wir die Welt sehen, so verdorben sie ist, es gibt keinen anderen Weg in diese ungewisse Zukunft als Kinder in die Welt zu setzen und darauf zu vertrauen, dass sie es besser machen werden.

Weil wir sie an die Hand genommen haben, Ihnen gezeigt haben, dass unsere Generation und alle vor ihr Fehler gemacht haben und machen werden, die sie nicht wiederholen sollten. Wir sollten ihnen das Vertrauen mitgeben, dass es besser werden kann, den Mut zu handeln und nicht nur zuzusehen, offene Augen und ein starkes Herz. Wenn wir die Welt mit ihren Augen, ihren Wünschen und der Liebe, die wir für sie aufbringen, betrachten, sind wir selbst auf dem besten Weg, es zumindest nicht noch schlimmer zu machen und solange wir Milliarden sind und diese Welt so groß und weit liegt darin ihre einzige, alles überstrahlende Hoffnung.

 

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