Abstract

Worum geht's? | "Aber dafür habe ich keine Zeit!", ist das absolute Totschlagargument der pädagogischen Digitalisierungsdebatte, denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es diejenigen, die mit Digitalen Medien noch nicht souverän umgehen können, viel Zeit kosten kann, sich mit diesen auseinanderzusetzen, bevor sie sie sicher und gewinnbringend im Unterricht eingesetzt werden können. Dass es trotzdem eigentlich gerade kein triftiger Grund ist, möchte ich mit diesem Post zu belegen versuchen.

Zu spät!

Thesen und Pläne

Die Kernthese der vom analogen Arbeiten überzeugten KollegInnen lautet "Das alles kostet viel zu viel Zeit und Nerven!"

Meine Kernthese dagegen lautet: "Die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen spart Zeit und Nerven!"*

Wie also kommen wir zusammen? Klar, wir sagen "Vernetzt euch!" - aber dieser wohlgemeinte Ratschlag ist ziemlich abstrakt, ist es doch schwer greifbar für nicht auf Twitter aktive KuK, zu erfassen, wie gewinnbringend es sein kann, an dieser Diskussion zu partizipieren. Dass es Zeit braucht, sich in die Mediennutzung einzufinden, ist unbestritten, im Alltag brauchen wir aber schnelle Rezepte und Lösungen. Deswegen möchte ich mit diesem Beitrag zweierlei versuchen:

  1. Konkrete Probleme, die einem im (analogen) Lehreralltag begegnen können, benennen und digitale Lösungsstrategien für selbige auflisten.
  2. Eine Liste von "Ansprechpartnern" auf Twitter oder in Blogs starten, die nicht nur Hashtags benennt, sondern zeigt, wie viele KuK verschiedenster Fächer und Schulformen in den sozialen Netzwerken aktiv sind, die gerne bereit sind (so erlebe ich es zumindest täglich), Fragen zu beantworten.

*Liebes Twitterlehrerzimmer, bitte nicht hektisch in die Tüte atmen: Guter Unterricht braucht immer Zeit, klar, darum geht's nicht, sondern um die folgende Ebene: Es macht gewaltige Unterschiede, ob ich 5 Folienvorlagen ausdrucke und dann brennen muss oder eine PPP erstelle, wenn ich darin geübt bin. Oder ob ich einen katastrophalen Übungsaufsatz händisch oder mit einem Formular am PC oder gleich per Audio korrigiere. 😉

Mach mit!

Das, was ich in diesem Beitrag anstoßen möchte, kann nur dann wirklich erfolgversprechend sein, wenn sich auch andere an der Ideensammlung beteiligen. Daher würde es mich sehr freuen, wenn Du Deine Ideen in diesem ZUMPad einträgst. Ich werde mich redlich bemühen, diesen Post regelmäßig um die neuen Tipps zu ergänzen. Möchtest Du als Teilgebender genannt werden, trage dich bitte mit Deinem Namen/ Pseudonym und gerne auch mit Deinem Twitteraccount oder Deiner Webseitenadresse dort ein. Genauere Informationen und Beispieleinträge findest Du direkt im ZUMPad.

I - Probleme aus dem Alltag von Lehrenden und digitale Lösungen

Allgemeine Fragen & Befürchtungen

  1. „Aber ich kenne mich mit diesen ganzen Medien doch viel zu wenig aus! Wie soll ich sie denn da im Unterricht nutzen?“
    • Nur Übung macht den Meister - wer sich nicht mit Medien und Themen auseinandersetzt, kann sich damit auch nicht auskennen. Soweit, so banal und pädagogisch unwertvoll. Aber:
      • Sucht man auf Youtube nach dem Namen eines Programms oder einer App, das/ die man nutzen möchte, findet man mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein Video, in dem erklärt wird, wie es geht. Alternativ kann man natürlich auch Suchmaschinen nach entsprechenden Webseiten befragen.
      • Vielleicht kann es ja auch für den Unterricht gewinnbringend sein, wenn man nicht alles zu 100% kann. Immer, wenn ich mit ein Problem mit dem PC oder Tablet im Unterricht hatte, standen sofort SchülerInnen parat, die mir helfen wollten und oft hatten sie Erfahrungen einzubringen. Wenn SchülerInnen sehen, dass man sich um Abwechslung für sie bemüht, sind sie gerne bereit, bei Pannen zu helfen! Wenn man sich dann bedankt und sie für die Problemlösung lobt, ist das kein Kompetenzverlust, sondern eine Stärkung der L-S-Beziehung. 😉
  2. „Es kostet unglaublich viel Zeit, mir die Nutzung der Medien, Programme und Apps anzueignen – die habe ich nicht!“
    • Es geht nicht darum, dass Du nächste Woche eine Webseite erstellen, Videos produzieren UND PowerPoint flexibel nutzen können sollst. Es geht darum, mit einer App oder einem Programm anzufangen, das als gewinnbringend eingeschätzt wird und dann einem zweiten und dann einem dritten.
    • Niemand verlangt, dass man binnen zwei Wochen vom Newbie zum Nerd wird. Es geht um jeden kleinen Schritt - und vielleicht auch darum, den Vorsprung nicht zu groß werden zu lassen.
    • Die Zeit, die man investiert, kann man "hinten raus" doppelt und dreifach sparen, weil Digitalisierung nicht nur Zeit kostet, sondern auch Prozesse beschleunigt. Für die erste PowerPoint braucht man eine Stunde, für die zweite eine halbe und schnell hat man ein Grundgerüst, das in ein paar Minuten um die wichtigsten Elemente ergänzt ist.
  3. „Ich will keine Smartphones in meinem Unterricht! Wie will ich denn kontrollieren, dass die SchülerInnen sich in der digitalen Welt an die Unterrichtsregeln halten?“
    • Ich halte es für illusorisch, dass die SchülerInnen ihre Smartphones in der Schule ganz ausschalten und nicht in einem unbeobachteten Moment rausholen, wenn sie "mal schnell Whatsapp checken" wollen. Wenn sie wirklich etwas im Schilde führen würden, würden sie es sowieso heimlich machen - ob sie dafür digitale Medien brauchen oder nicht. Streiche gab es auch zu Zeiten der Schreibmaschine schon. 😉
    • SchülerInnen lernen nur, mit den Medien verantwortungsvoll umzugehen, wenn wir das im Unterricht thematisieren. Diese Aspekte der digitalen Bildung werden vom Elternhaus in vielen Fällen genauso wenig vermittelt wie der Zitronensäurezyklus oder Schillers "Räuber". Davon, dass wir so tun, als gäbe es sie nicht, verschwinden die Smartphones nicht. Dadurch, dass wir so tun, als spiele die digitale Realität keine Rolle, verstärken wir den Eindruck, dass dort Regelfreiheit herrsche. Nur wenn wir sie einbinden, können wir zu einem konstruktiven Dialog gelangen.

Organisatorisches

  1. „Ständig vergessen SchülerInnen ihre Materialien und dann ist kein richtiger Unterricht möglich!“
    • Die einfachste Lösung bietet hierfür wohl die Dokumentenkamera: Arbeitsblatt drunter, an die Wand werfen, fertig. Ein Smartphone-Foto (z.B. eingefügt in eine PowerPoint-Präsentation) kann dieses Problem beheben, falls man keine Dokumentenkamera zur Hand hat.*
    • Das bedeutet auch nicht, dass sie dann nicht mehr für ihre Sachen verantwortlich wären. Es geht darum, dass der Unterricht trotzdem flüssig laufen kann... 😉
  2. „Wenn SchülerInnen ihre Materialien verschlampen, muss ich häufig Arbeitsblätter nachkopieren – das nervt!“
    • Wichtige Arbeitsblätter stelle ich mittlerweile über meinen Lehrerblog zum Download zur Verfügung. Dafür muss man sich aber ein bisschen länger mit Digitalisierung beschäftigen. Alternativen bieten Lernplattformen der Bundesländer wie mebis oder Cloudservices wie Dropbox & GoogleDrive. Dafür müssen sich die SuS nicht anmelden, es genügt, wenn sie einen Link zum freigegebenen Ordner haben.*
    • Wie bei 1 gilt: Das bedeutet auch nicht, dass sie dann nicht mehr für ihre Sachen verantwortlich wären - eigentlich kommt sogar noch eine Stufe Verantwortung dazu, weil sie sich um die Wiederbeschaffung kümmern müssten, wenn sie etwas verlieren.
  3. „Gerne würde ich weitere Informationen aus dem Internet zum Lernen oder Üben empfehlen, aber selbst, wenn ich die Links dafür habe, klappt es nicht, dass sie korrekt ins Hausaufgabenheft übernommen werden!“
    • Links abschreiben ist so 2005. 😉 Heute geht das viel einfacher: Kann man keine Mail schicken, weil man keine Kontaktdaten hat/ haben darf, schaffen QR-Codes Abhilfe: Ein Code wird erstellt, ausgedruckt und kann dann von den SuS per Smartphone gescannt werden. So werden sie direkt zur Webseite weitergeleitet. (Geht sogar mit Snapchat - das haben sie garantiert installiert...)
    • Mehr Infos zu den Codes gibt's bei der unangefochtenen QR-Code-Queen Nina Toller. Im Video zu ihrem Webinar "QR-Codes im Unterricht" erklärt sie viele andere spannende Einsatzmöglichkeiten für die kleinen Quadrate.
  4. „Gestern habe ich das Original dieses tollen Arbeitsblattes am Kopierer liegen lassen und nun kann ich es nicht mehr verwenden!“
    • Das ist ärgerlich. Im Nachhinein ist digital auch nicht unbedingt etwas zu holen, wenn das AB nicht im Netz zu finden war, sondern zum Beispiel von einem Kollegen kam, der es liebevoll erstellt und Dir als Ausdruck weitergegeben hat. Aber heißgeliebte ABs digitalisiere ich mittlerweile ganz einfach mit dem Smartphone: Blatt hinlegen, eine PDF-Scanner App wie "Scanbot" starten, ein Foto machen, direkt in ein PDF umwandeln lassen und speichern (evtl. in der Cloud, um es auch auf dem PC zu haben) - innerhalb von 2 Minuten hat man das AB digital und damit ein hervorragendes Backup, falls das Original mal wieder im Kopierraum verschwunden ist.*
  5. „Noten auszurechnen kostet mich am Schuljahresende einen ganzen Arbeitstag!“
    • Es soll ja Schulen geben, in denen man immer noch analog Noten ausrechnen muss - was ganz schön nerven kann, wenn man viele Klassen hat und die Schüler zwischendurch ständig fragen "Auf was steh' ich denn gerade, Frau Dromedar?" Es gibt tolle Classroom-Management-Apps für Lehrer wie TeacherStudio, Notenbox oder auch das PC-Programm Notenmanager. Diese sind allerdings kostenpflichtig.
    • Ich bin ein großer Fan von "Notex": Notex ist ein "Programm" auf Basis von Exceltabellen (MS Office sollte man also installiert haben), mit dem man viele Organisatorische Aspekte wie eben das Berechnen von Noten erledigen kann. Dadurch, dass Exceltabellen genutzt werden, muss man sich um Datenschutz keine Sorgen machen, solange man die Dateien nur auf der eigenen Festplatte speichert.
  6. „Es ist unglaublich, was Lehrer mittlerweile alles organisieren müssen! Wie soll man denn da noch zum Unterrichten kommen?“
    • Auch das wird mit Notex auf individueller Ebene erheblich erleichtert.
    • Vielleicht wäre es aber auch nicht schlecht, auf der nächsten Konferenz mal anzustoßen, dass ein System wie das Infoportal oder der Schulmanager Online Arbeitserleichterung für alle Beteiligten bringen könnten...

*Natürlich gilt das nur für nicht-copyright-geschützte Materialien. Aber die kopieren wir ja auch nie im Klassensatz, also ist diese Anmerkung eigentlich überflüssig.

Allgemeindidaktisch/ Methodisch

  1. „Die SchülerInnen finden, dass mein Unterricht langweilig ist!“
    • Youtube, Snapchat und Instagram sind ein Freizeit-Unterhaltungsprogramm, mit dem die binomischen Formeln und die Französische Revolution nur bedingt mithalten können - klar. Aber digitale Medien bieten jede Menge Möglichkeiten, auch die trockensten Themen aufzupeppen:
  2. „Arbeitsaufträge muss ich oft fünfmal erklären, bis auch bei den letzten angekommen ist, was sie tun sollen!“
    • Arbeitsaufträge an der Tafel zu verschriftlichen, ist mühsam, weil es Unterrichtszeit frisst. Deswegen gebe ich sie mittlerweile immer öfter (je umfangreicher sie sind) schriftlich innerhalb einer PowerPoint-Präsentation. Dies kann vorbereitet geschehen, es ist aber auch möglich, sie im Unterricht einzutippen und - besonders wichtig - bei konstruktiven Fragen zu präzisieren.
    • Wie Du PowerPoint für den Unterricht sinnvoll und flexibel nutzen kannst, erkläre ich in diesem Tutorial.
  3. „Mündliche Leistungen spielen eine immer größere Rolle, aber die Flut an Referaten, die sie verursachen, kann ich zeitlich gar nicht in meinen Unterricht einbauen!“
    • Wie wär's, wenn Du die SuS kurze Videos produzieren lässt? In diesem Beitrag erkläre ich, wie das ganz einfach geht und gebe weitere Tipps für den Unterrichtseinsatz.
  4. „Allein das Einteilen der Gruppen dauert so lang, dass oft keine Zeit mehr für die eigentliche Gruppenarbeit bleibt!“
    • Gruppeneinteilungen können in der Tat sehr zeitraubend sein. Eine App wie TeamShake (für iOS und Android) beschleunigt diesen Vorgang immens. In diesem Youtube-Video wird die Nutzung in wenigen Minuten erklärt.
    • Falls Du ein System für die Gruppenarbeitseinteilung suchst, das auch Fragen der Raumorganisation und Binnendifferenzierung berücksichtigt, empfehle ich Dir diesen Beitrag!
  5. „Die Lerngruppen werden immer heterogener! Häufig müsste ich viele verschiedene Aufgaben zur Verfügung stellen, um den SchülerInnen gerecht zu werden, aber wir haben weder so viel Zeit, noch kann ich so viele verschiedene Arbeitsblätter mitschleppen.“
    • Natürlich dauert allein das Erstellen differenzierter Aufgaben eine ganze Weile. Wenn man sie dann noch in ausreichender Anzahl kopieren und mitschleppen muss, werden Übungen schnell zum Zeitfresser. Deswegen stelle ich mittlerweile digitale Lerntheken zusammen, die ich auf meiner Lehrerwebseite zur Verfügung stelle. Mehr über die Arbeit mit Blogs und Webseiten erfährst Du in diesem Post. Technische Aspekte erkläre ich in diesem Text.
    • Weil eine Webseite zu erstellen wiederum etwas mehr Aufwand erfordert, gibt es auch hier einfachere Möglichkeiten:
      • Auch Lernplattformen wie mebis oder ein Ordner im geschützten Netzwerk der Schule, auf den die SuS Zugriff im Computerraum haben, können es ermöglichen, Aufgaben für eine Lerntheke zu teilen, ohne alle Blätter austeilen zu müssen. Im Computerraum können sich die SuS an die Arbeit mit den Rechnern gewöhnen.
      • Die SuS bringen ihre eigenen Smartphones mit und dürfen diese für die Bearbeitung nutzen, um individuelle Fragen zu klären und selbstständig Unterstützung zu suchen (z.B. als Wörterbuch und Lexikon).
      • Links zu bereits erstellten Übungen und Aufgaben: Im Internet gibt es schon viele Übungen zu finden, die die SuS machen können. Mit einem QR-Code (siehe Nina Tollers Webseite) gelangen die SuS schnell zu den Webseiten, weil sie den ausgedruckten Code scannen und direkt weitergeleitet werden.

Pädagogisch

  1. „Viele SchülerInnen, gerade jüngere, trauen sich nicht, vor der Klasse zu sprechen. Das ist bei Referaten und der Vorstellung von Arbeitsergebnissen ein großes Problem!“
    • Auch hier schaffen Videos Abhilfe: Mit AdobeSparkVideo können SuS innerhalb kürzester Zeit eigene Filme erstellen und via iOS-App oder mit einem Headset am Rechner auch eine eigene Tonspur einsprechen. Dann könnte man das Video abspielen und sie müssen sich vorerst nicht der Live-Vortragssituation vor der Klasse stellen. (Und was nicht ist, kann ja noch werden...)
    • Für das Üben des Vorlesens oder szenischen Vortrags muss es nicht unbedingt ein Video sein: Jedes Smartphone verfügt über eine Audio-Aufnahme-Funktion, die die SuS nutzen können, um sich selbst beim Sprechen zuzuhören und an Aussprache, Tempo und Intonation zu arbeiten. Das verschafft Sicherheit und Distanz zum eigenen Vortrag.
  2. „Die SchülerInnen heute hängen doch in ihrer Freizeit nur noch am Smartphone! Wie soll ich denn da mit ihnen sinnvoll arbeiten? Diese Fähigkeit geht vollkommen verloren wenn sie nur daddeln!“
    • Wer weiß, ob die SuS Smartphones nicht auch anders nutzen würden, wenn sie wüssten, wie. Auch die "Digital Natives" kennen nicht jede App - schon gar nicht, wenn sie nach Arbeit riecht. 😉
    • Kurze Texte schreiben und überarbeiten zu lassen, geht sogar mit der Notizen-App. Das schärft auch den Blick dafür, welche Flüchtigkeitsfehler man beim hastigen Tippen macht und bietet möglicherweise eine Grundlage für eine Diskussion über Sprachebenen in formeller und informeller Kommunikation.
    • Auf die Option "Üben von Vorträgen mit der Audioaufnahme" habe ich bei 1. schon hingewiesen.
    • Wer SchülerInnen vom Nutzen von PCs und E-Mails gegenüber Smartphones und Whatsapp überzeugen will, muss diesen in passenden Situationen sichtbar machen: Ein längerer Text lässt sich am großen Bildschirm leichter überarbeiten, ein PDF anzuhängen gestaltet sich in WhatsApp schwierig - beides sind aber Kompetenzen, die sie im Alltag nicht benötigen. Mit dem passenden Bezug zum Berufsalltag kann man konstruktive Diskussionen über Möglichkeiten und Grenzen der mobilen Geräte anstoßen.
  3. „Das Handyverbot an Schulen ist total sinnvoll! Sonst können wir doch gar nicht kontrollieren, was damit angestellt wird! Die Dinger müssen also unbedingt aus dem Unterricht rausgehalten werden, sonst lande ich am Ende noch mit einem Video auf Youtube!“
    • Regeln lassen sich nur dann sinnvoll einführen und durchsetzen, wenn sie Dinge betreffen, deren Rolle in der Schule klar ist. Strikte Verbote dagegen sind ein möglicher Anreiz für Übertretungen. Smartphones im Unterricht zu nutzen, bedeutet auch, den SuS einen Vertrauensvorschuss entgegenzubringen (den wir bei unserer Arbeit ja oft genug brauchen, also: Was soll der Geiz?), indem man ihnen zutraut, dass sie das in angemessener, zum Unterrichtsgegenstand passender Weise tun. Das ist oft ein guter Anreiz für sie, die Regeln nicht zu verletzen
    • Erst wenn man Smartphones zur Nutzung zulässt, hat man auch einen echten Grund, einen "Kodex" oder ähnliches für ihren Gebrauch zu erarbeiten und von allen Beteiligten (auch der Lehrkraft!) unterschreiben zu lassen. SchülerInnen reflektieren nicht von allein darüber, welche Effekte es haben würde, wenn man die Persönlichkeitsrechte von Lehrende oder Klassenkameraden durch den öffentlichen Upload von Bildern oder Filmen verletzen würde. Dieser Denkprozess sollte in der Schule unbedingt angestoßen werden, BEVOR es "zu spät" ist.
    • Aber auch das Thema "Selbstdarstellung im Internet" spielt eine wichtige Rolle, das viele SuS unterschätzen. Es wäre echt sinnvoll, mit ihnen darüber zu reden, dass das, was sie von Bibi & Co. sehen, immer nur ein Ausschnitt von deren Realität ist, dass nicht jeder sein Geld mit Schminktutorials wird verdienen können und dass es gar nichts macht, wenn man nicht so videogen ist wie "Die Lochis". Bleiben sie in ihrer eigenen Filterbubble, in der das Gesehene nicht relativiert wird, kann das ganz schön aufs Selbstkonzept schlagen...

Fachspezifisch

Deutsch (aber auch teils für Fremdsprachen anwendbar)

  1. „Ich gebe mir riesige Mühe damit, dass die SchülerInnen sinnvolles Feedback zu ihren Übungsaufsätzen bekommen. Das kostet mich eine Menge Zeit, aber oft verstehen sie meine Korrekturzeichen nicht und wissen nicht, was sie verbessern sollen.“
  2. „Die Prozessorientierung spielt beim Schreiben eine immer größere Rolle. Schreibkonferenzen als gegenseitiges Feedbackinstrument sind aber sehr aufwändig und ich komme kaum hinterher, mir die Ergebnisse anzusehen und festzustellen, ob sie sinnvoll sind.“
    • Auch Schreibkonferenzen kann man wunderbar im Computerraum abhalten: ZUMPad, ein Etherpad der "Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V.", bietet die Möglichkeit, dass alle, die über den Link zum Pad verfügen, zeitgleich hineinschreiben, sich gegenseitig verbessern und Aspekte ergänzen können. Das kannst Du als Lehrender von Deinem PC ganz bequem mitverfolgen, weil Du ja auch die Links kennst.

"Sachfächer" (fachspezifisch aus Anwendungserfahrungen sortiert, aber auch auf andere Fächer anwendbar)

Geschichte
  1. „Durch die Kompetenzorientierung müsste ich viel mehr Methodentrainings durchführen. Das kostet aber Zeit und unglaublich viele Kopien!“
    • Auch das löse ich mittlerweile mittels Lehrerwebseite: Sobald SuS eine Methode beherrschen sollten, bekommen sie bei Übungsbedarf den entsprechenden Link vorgesetzt. (Wie immer gilt: Geht auch mit Lernplattformen & QR-Codes)
    • Für Karikaturen und Bildbeschreibungen bietet sich beispielsweise ThingLink an, weil Grafiken mit Annotationen versehen werden können. So könnte man Bilder mit den interaktiven Punkten versehen lassen und dann vergleichen, welche Bildpunkte als wichtig markiert und mit welchen Beschreibungen/ Fragen versehen wurden.
  2. "Die Texte im Schulbuch sind viel zu schwer!"
    • Ja, in der Tat, das kommt oft vor. "Übersetzungen ins Schülerdeutsche" sind zeitaufwändig und nerven. Deswegen kann man den SuS die Nutzung des Smartphones erlauben und...
      • ...sie unbekannte Begriffe nachschlagen lassen, falls sich die Autoren für erklärende Fußnoten zu fein waren. (Ja, das Thema macht mich vielleicht ein bisschen wütend...aber nur ein bisschen.)
      • ...sie Texte in MindMaps überführen lassen, um zentrale Aspekte herauszuarbeiten und Zusammenhänge visuell zu verdeutlichen. (Das geht mit Apps wie Coggle.)
    • Außerdem lohnen sich manchmal auch Videos von Youtube-Kanälen, in denen Sachverhalte einfach und anschaulich erklärt werden. Klar rollt es mir bei der Wortwahl auch manchmal die Fußnägel hoch (privat lache ich, professionell ziehe ich skeptisch die Augenbraue hoch - wer's nicht kennt, werfe den ersten Stein...) - aber wenn erstmal verstanden ist, worum es geht (und nicht erst eigene Worte für viel kompliziertere Worte gefunden werden müssen), lassen sich Fachbegriffe leichter einführen und mit dem Gehörten verbinden.

Sozialkunde

  1. „Nie habe ich Zeit für den Wochenbericht!"
  2. "Die SchülerInnen haben überhaupt keine Ahnung von Politik und aktuellen Vorgängen!"
    • Naja, PolitikerInnen und SchülerInnen sprechen halt auch selten dieselbe Sprache. Aber genau das kann man anhand der SocialMedia-Accounts von Parteien und Persönlichkeiten wunderbar untersuchen lassen...
      • Mögliche Diskrepanzen zwischen inhaltlicher Übereinstimmung (z.B. Wahl-O-Mat) und Social-Media-Repräsentation sind ein toller Anlass für gemeinsame Reflexionen und Diskussionen!
    • Sinnvoll ist es zudem, nicht auf den eigenen Informations- und Kommunikationskanälen zu beharren. Ja, ich gucke auch jeden Abend die "Tagesschau" und wehe, es ruft jemand währenddessen an. Aber das heißt nicht, das das Fernsehen das einzige zulässige Medium wäre. Vielmehr geht es darum, deren Vielfalt und den Nachrichtenwert/ die Glaubwürdigkeit der verschiedenen Akteure zu beurteilen.

II - Digital aktive Lehrende als Ansprechpartner

Gerne würde ich Dich (ja, Dich!) an dieser Stelle gerne als Ansprechpartner verlinken! Also: Her mit Deinem Twitteraccount/ Deiner Blogadresse/ anderen Kontaktdaten, Deinen Fächern und Deiner Schulform - und allem, was Du sonst noch über Dich gesagt haben möchtest. [Zur Eintragung im ZUMPad] Denn eigentlich ist es im Twitterlehrerzimmer wie im analogen Lehrerzimmer: Wenn man weiß, wen man fragen muss, ist die Aufgabe oft nur noch halb so schwer... 😉

Weitere Linktipps zu diesem Thema

One thought on “Wie kann die Digitalisierung konkrete (analoge) Probleme lösen? – Pad-agogisch wertvoll Vol. 11”

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