Ich denke nicht, dass ich diesen Post wirklich damit beginnen muss, dass ich fassungslos bin und dass mir eigentlich die Worte fehlen für das, was da gerade passiert. Ich will ohnehin nicht viele Worte um meine Befindlichkeiten machen, es geht nicht um mich. Aber nächste Woche, wenn die Ferien in Bayern vorbei sind, wird es vermutlich darum gehen, ob ich Antworten habe. Antworten für die jungen Menschen, die mir sonst für gewöhnlich Fragen stellen, die weit weniger relevant für unser aller Zukunft sind.

So war ich in den letzten Tagen davon getrieben, diese Antworten zu finden, um zumindest in der Sache ein bisschen kompetent zu sein, wenn es schon keine Lösung gibt und ich sonst nicht wirklich etwas tun kann, denn was sind Spenden gegen Raketen und Panzer?

Ich hab mich umgeschaut auf den einschlägigen Portalen und habe mich gewundert. Über das Versprechen, dass man diesen Krieg „verstehen“ könnte, wenn man das Material nutzt. Ich habe weit mehr Medien konsumiert als drei schülergerechte Erklärtexte und daran, dass man unschuldigen Menschen Leid zufügt, gibt es nichts zu verstehen, das Leid der Menschen passt in keinen Lückentext und darüber gibt es nichts zu plaudern, verdammt, auch wenn Plauderkärtchen sonst mit Sicherheit absolut LIT? sind… Just my two cents. In Anbetracht der Umstände zu zynisch und destruktiv, um es wirklich ernst zu meinen, aber die Diskrepanz zwischen didaktischer Instagramisierung und Reduktion aka Fokussierung auf das Wesentliche erscheint mir gerade krasser als je zuvor.

Dann habe ich gesammelt und kategorisiert/differenziert, aber ich war noch nicht zufrieden: Die Materialfülle ist erdrückend. Jede*r, der*die halbwegs des Googlens mächtig ist, hat keine Probleme, Informationen ohne Ende zu finden. Meine Augenringe sind mein Zeuge.

Schließlich musste ich daran denken, dass viele Kolleg*innen dieses Thema gerade fachfremd stemmen müssen und dann wird aus der ohnehin schon nicht leichten eine wirklich schwierige Aufgabe. Denn es geht nicht einfach „nur“ um eine militärische Auseinandersetzung mit klaren Fronten. Es geht um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Darum, Flucht zu besprechen. Mit Menschen, die zu Recht Angst davor haben, dass sie selbst fliehen müssten. Mit Menschen, die selbst Gewalt und Flucht erlebt haben. Es geht um Propaganda und Fake News, darum, bei aller emotionalen Beteiligung selbst sachlich zu bleiben. Darum, verlässliche Informationen zu identifizieren und darauf warten zu können, wann die nächsten verfügbar sind, während die unverifizierten sekündlich im Bewegtbild auf uns einprasseln, wenn wir es zulassen.

Ich habe eine Handreichung erstellt in der Hoffnung, dass es dem*der einen oder anderen zumindest den Teil mit der Recherche und den Aufgabenstellungen abnimmt. Weil ich irgendwie ins Blaue hinein plane, solange Ferien sind, weil ich befürchte, dass es viel Gesprächsbedarf in ganz unterschiedlichen Lerngruppen gibt, habe ich mich dabei für folgende Prinzipien entschieden:

  • Auf verschiedenen Schwierigkeitsniveaus geht es um die Fragen, die ich für mich während meines Eingrabens in die Berichterstattung zum Thema als besonders relevant identifiziert habe.
  • Die Materialien sind modular aufgebaut: Wer die .pptx-Datei herunterlädt, kann die Seiten beliebig miteinander kombinieren, neu anordnen etc.
  • Alles basiert auf „echter“ Berichterstattung, denn das macht Mündigkeit und Selbstständigkeit doch letztlich aus, dass man nicht nur mit eigens für den Unterricht gestalteten Materialien umgehen kann.
  • Leitfragen statt fancy Aufgabenstellungen, um den Fokus auf den Inhalt zu richten. Sicherlich werden sich in vielen Fällen genügend Fragen finden, die es zu beantworten gilt, sodass die Produkte (ausnahmsweise mal) in den Hintergrund treten dürfen.

Ich bin dankbar für Anregungen & Feedback – hier als Kommentar, per Mail an diefraumitdemdromedar@gmail.com oder via Twitter!

Download:

  • Drive-Ordner mit allen Dateien
  • Version vom 03.03.2022:
    • PDF (Verlinkung der Seiten sollte funktionieren, wenn ein passender PDF-Reader benutzt wird)
    • .pptx (erstellt mit Office 365, verwendete Schriftart ist „Bahnschrift“, ggf. nicht auf jedem Gerät installiert)

Ich nehme an, dass es Updates zu dieser Basisversion geben wird, sobald ich wieder im Klassenzimmer bin und vielleicht doch über’s Wochenende ein bisschen Abstand gewonnen habe.

Ich werde diese ebenfalls ins ?-Drive packen und zur besseren Übersicht hier verlinken.

Ich wünsche uns allen, insbesondere aber den Ukrainer*innen, dass das nächste Update „Wie kam es zum Frieden?“ heißt.

Passt auf euch auf. Physisch und psychisch.

PS: Wenn ihr ein bisschen was übrig habt, blättert doch bitte zuerst mal zu „Wie können wir helfen?“ oder sucht gleich die Bankverbindung der Hilfsorganisation eures Vertrauens raus.