So sehr ich es selbst liebe zu schreiben (könnte einer der Gründe sein, weswegen es diesen Blog gibt *hust*), so sehr hadere ich im Deutschunterricht mit den künstlichen Schreibformen, die es den Kindern immer wieder beizubringen gilt: Erzählen – Informieren – Argumentieren… wenn niemand diese drei lehrbuchhaft voneinander abgegrenzten Schreibstränge gelegentlich wagen würde kräftig durcheinander zu wirbeln, wären viele Texte, die wir gerne lesen, sicherlich weit weniger gelungen – oder warum gilt noch gleich der Essay als hohe Kunst? 😉

Während ich mit den klar strukturierten Erörterungen und den akribischen Sachtextanalysen doch gelegentlich meinen Frieden mache, weil man durch die Wahl bedeutsamer Themen doch einiges daraus lernen kann, bin ich aktuell beim Verfassen von Erzählungen weit weniger versöhnlich gestimmt, durfte ich doch gerade erst die ersten, von formalen Vorgaben noch reichlich unbeeindruckten Erzähltexte meiner Fünftklässler:innen lesen und da haben mich so einige mit ihren Rahmenhandlungen, Zeitsprüngen und Rollenspiel-Welten ganz schön aus den Socken gehauen… Wer hat da noch Lust auf die Erzählmaus (ach so, die ist ja eh tot ☠), die Ausgestaltung klassischer Höhepunkte, Textwüsten voller vermeintlich anschaulicher Adjektive und vor allem eine Begrenzung der Arbeitszeit auf weniger als eine Stunde, obwohl die besten Geschichten doch reifen müssen, damit sie ihre Magie entfalten können? 🧙‍♀️

Schon klar, durch die Spracharbeit müssen wir durch. Ohne ein Gefühl für das Präteritum und die Vorzeitigkeit, ohne Abwechslung bei der Wortwahl und ohne ein paar Gedanken und Gefühle kommen wir nicht weit… Aber sicherlich ist ein guter Schreibanlass ebenso wie das Thema von Erörterung oder Sachtext schon die halbe Miete…

Doch was ist so ein guter Schreibanlass? Drei Reizwörter – irgendwas wie „Maus – Bruder – Aufregung“? Eine Erzählung, deren Ende ich ausradiere, damit der Anfang weitergeschrieben werden kann (obwohl er doch für genau dieses Ende gedacht war)? Oder vielleicht doch die klassische Überschrift „Mein schönstes Ferienerlebnis“ – bei ein- bis zweiwöchigen Ferien in Zeiten einer Pandemie unter gewissen Bedingungen fürwahr ein nicht mal euphemistisch zu gebrauchender Titel.

Matthias Maurer & die ISS

Zufällig sah ich dann aber am Freitagmorgen mit den Achtklässler:innen die Logo!-Sendung vom Vorabend. Nach dem Thema Schulangst durch Corona, ein wichtiger Gesprächsanlass, ging es außerdem um Matthias Maurers Aufbruch zur ISS, der endlich gelungen war (Beitrag ab 3:18). Und während ich die Meldung so an mir vorüberziehen ließ, merkte ich, dass nicht nur das Astronaut sein spannend ist, weil es neue Welten eröffnet, sondern dass sich so eine Weltraummission auch hervorragend in Handlungsschritte* einteilen lässt… 😜

*Dass diese nicht bei allen gleich sein müssen, darf schon als bewiesen gelten…

Weil auf meiner Festplatte noch so ein paar Grafiken von meinem verrückten Projekt „Lost in Space“ aus dem ersten Lockdown, kam mir das Thema „Weltall“ wie gerufen und so friemelte ich aus den Grafiken im Handumdrehen einen Schreibplan zusammen.

Die Fünftklässler:innen habe ich, nachdem wir die Nachrichtenmeldung gemeinsam angesehen und ein paar Stichworte zum Ablauf der Mission auf dem Schreibplan notiert haben, erstmal auf digitale Erkundungsmission geschickt: Wie riecht es im Weltall? Was essen Astronauten? Warum freuen sie sich auf den Außeneinsatz? Was machen die sonst so den ganzen Tag? Und wie gehen die eigentlich auf’s Klo?

Bitte klicke auf das Bild, um das interaktive Modul auf wahlunterricht.de anzuzeigen und es ggf. herunterzuladen.

Weil die wunderbare Kindernachrichtensendung auf all diese Fragen eine Antwort hat, brauchte ich eigentlich nur noch ein paar Links in einem interaktiven Bild – inklusive 3D-Modell der ISS gibt es da nämlich so einiges ganz kindgerecht zu erkunden. Ich freue mich schon darauf, wenn sie ihre Erkenntnisse am Ende dieser Woche miteinander teilen und neue Weltraumgeschichten entstehen können.

Und so lernen sie hoffentlich – neben den Zeitsprüngen und den Rahmenhandlungen, für die es bei diesem Thema reichlich Platz geben wird – etwas über fremde Welten und darüber, dass man sie sich erst bekannt machen muss, wenn man eine Geschichte nicht nur oberflächlich streifen, sondern im wahrsten Wortsinne anschaulich erzählen will.

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Das Material für unsere Reise teile ich einstweilen gern mit euch – vielleicht seid ja auch ihr gerade auf großer Erzählmission und eine Welt ist euch nicht genug. Viel Spaß und frohes Erzählen!

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