Ebene Figuren – Ein Geometrie-Lapbook

Nachdem ich im Beitrag über die Pizza-Lerntheke zum Verstehen von Brüchen gestern schon über meine neu erwachte Leidenschaft für die Mathematik-Didaktik in Klassenstufe 6 berichtet habe, wird es heute gleich nochmal mathematisch. Weil ich vor allem auf Instagram immer wieder tolle Lapbooks bewundert und mit meiner besten Freundin, die es mittlerweile an die Grundschule verschlagen hat, darüber geschnackt habe, dass das eine Sicherungsmethode ist, an der jüngere SuS sichtlich Spaß haben, wollte ich es unbedingt einmal ausprobieren und auch mit der 6b ein Lapbook erstellen. Da in Mathe ohnehin gerade die Geometrie (ebene Figuren)und das „Haus der Vierecke“ anstanden, war schnell ein geeignetes Thema gefunden.

Lernziele

Neben den inhaltlichen Lernzielen (Vierecke anhand ihrer Eigenschaften unterscheiden, Fachbegriffe zum Kreis festigen) stand damit auch die Förderung der Feinmotorik im Vordergrund. An der Mittelschule hat diese in den Praxisfächern wie Werken und Gestalten bzw. Technik einen wichtigen Stellenwert, sodass es eigentlich gar nicht genug Trainingsgelegenheiten für sauberes Arbeiten geben kann.

Umsetzung

Wir haben die einzelnen Elemente des Lapbooks nacheinander passend zu den jeweils im Unterricht behandelten Themen erstellt und anschließend geübt.

  • Die Vorübung zum Haus der Vierecke war das Einzeichnen im Koordinatensystem (Download bei 4Teachers), anschließend bekamen sie Fragestellungen in einer Tabelle, um diese genauer mit dem Geodreieck zu untersuchen. Erst nach diesen Vorarbeiten machten wir uns daran, alles im Haus zu sortieren und die Eigenschaftsschilder zuzuordnen.
    • Ein Verständnis für das allgemeine Vierecke war gar nicht so leicht herzustellen. Der Aufruf zu Einreichungen für die Ausstellung „Alles, was vier Ecken hat“ lieferte dann aber doch ein paar Aha-Erlebnisse. 😉
  • Parallel zum Lapbook erstellten wir ein passendes „Haus der Vierecke“-Lernplakat (Foto folgt), um unser Lernen auch im Schulhaus sichtbar zu machen. (Selbiges ist gerade in die siebte Klasse gewandert – Nachhaltigkeit im Sinne von Wiederverwendbarkeit freut mich ja immer besonders!)
  • Die Lernlandkarte füllten wir parallel zum Erlernten aus: Die SuS nutzten die Ampeln als Selbsteinschätzung und malten aus, wie gut sie mit einem Themenbereich klargekommen waren.
  • Nach den Vierecken kam der Kreis an die Reihe:
    • Es ging vor allem darum, die Begriffe „Radius“ und „Durchmesser“ zu festigen, um damit einfache Rechnungen durchführen zu können und beides vom Umfang zu unterscheiden. Außerdem war es natürlich auch hier wichtig, gut mit dem Zirkel und dem Geodreieck umgehen zu können.
    • Das Titelblatt, welches den Überblick über die wichtigen Begriffe gibt, zeigt schon, dass das Elementare für den individuellen Lernerfolg auch hier nicht bei einer möglichst ausführlichen Sicherung der neuen Inhalte lag, sondern vielmehr in den vor- und nachbereitenden Übungen.
    • Vorbereitung: Die SuS zeichneten Kreise mit dem Zirkel auf Blankopapier und schnitten diese aus, um Radius und Durchmesser zu messen, auf den Faktor 2 zu kommen. Der Schritt des Ausschneidens war für die Anschaulichkeit besonders wichtig, um durch das Falten der Kreise aufzeigen zu können, dass der Kreis aus zwei gleichgroßen Halbkreisen besteht.
    • Nachbereitung: Anschließend wurde das Zeichnen von Kreisen mit dem Zirkel (auch in verschiedenen Mustern) und das Berechnen von Radius und Durchmesser, auch mit Umrechnung verschiedener Einheiten, intensiv, aber hinsichtlich der Aufgabenformate eher unspektakulär geübt. 😉

Materialien

Für die Erstellung des Lapbooks werden folgende Materialien benötigt:

  • Ein Bastelbogen aus Tonkarton im A3-Format, der von beiden Seiten zur vorher eingezeichneten Mitte gefaltet wird
  • Kopiervorlagen für die Titelseite, das Haus der Vierecke, die einzelnen Vierecke, deren Eigenschaften und die Lernlandkarte auf der Rückseite (Download des PDFs im DromedarDrive);
  • Die Kopiervorlage für den Forscherleitfaden stammt von bati00 auf 4Teachers und kann dort heruntergeladen werden.
  • Schere, Kleber, Buntstifte
  • Zirkel & Geodreieck zum erarbeiten und üben

Das fertige Lapbook

Ich zeige hier mein Exemplar, weil ich von den SuS noch keine Einwilligung zur Veröffentlichung von Fotos ihrer Exemplare habe. Man kann ja schlecht über Urheberrecht schwadronieren und dann mit schlechtem Beispiel vorangehen, nicht wahr? 😉

Fazit

Das Basteln der Lapbooks hat wirklich Spaß gemacht (nicht nur mir! 😉 ) und die Arbeitsschritte waren auch insgesamt während des Unterrichts gut zu überblicken. Wenn ich mein Lapbook mit den zahlreichen Beispielen auf Pinterest und Instagram vergleiche, sind die Formen eher unspektakulär und es gibt keine zusätzlichen Gimmicks zum aufklappen oder drehen. Damit war es das ideale Einsteiger-Lapbook, denn auch meine Klasse hatte wenig bis keine Erfahrung mit solchen Basteleien und wie bereits erwähnt gibt es durchaus SuS, deren Feinmotorik erst noch an einfacheren Aufgaben geschult werden muss, um sicher Kraniche falten und Blumen ausschneiden zu können.

Dass das Lapbook in einzelnen Schritten entstanden ist und der Fortschritt von der Lernlandkarte begleitet wurde, hat den SuS nicht nur den Überblick über die Sequenz und die Anforderungen des die Sequenz abschließenden Leistungsnachweises erleichtert. Wichtig wäre aber in Zukunft, auch die Übungsmöglichkeiten bei Schwierigkeiten noch mit der Lernlandkarte zu verknüpfen und so darzubieten, dass der Vorteil „Alles auf einen Blick“, den das Lapbook ja an sich bietet, noch besser ausgenutzt werden kann.

Ausblick

Das nächste Lapbook wird nicht nur im Hinblick darauf etwas komplexer werden, sofern es für die Lerngruppe passend ist, sondern ich möchte es auch mit einem größeren Anteil an eigenständiger Erarbeitung verknüpfen. Zwar habe ich auf induktives Vorgehen durch vorbereitende Aufgaben geachtet, die Sicherung war aber durch die vorgegebenen Bestandteile sehr gelenkt und es fehlte der Portfolio-Charakter, den ich mir eigentlich mehr wünschen würde.

Letztlich bleibt aber als Disclaimer zu sagen: Um mit einem Projekt jedweder Art wirklich alle didaktischen Anforderungen abdecken zu können, muss man sich selbst und den Schüler*innen auch gönnen, zunächst Erfahrungen mit einer Methode und den Arbeitsschritten zu machen, um die eigenen Schwachstellen und die Schwierigkeiten, die sich aus der Umsetzung ergeben, analysieren zu können. Wie so vieles auf dieser Seite fällt auch das Lapbook in die Kategorie „Work in Progress“.

Materialnachweis

Verwendete Schriftarten, die für die Bearbeitung der Original-Word-Datei benötigt werden:

Den Forscherleitfaden für Vierecke, der auf der Innenseite klebt, gibt es bei 4teachers.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Kristina Wahl (diefraumitdemdromedar.de) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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