Digitales Burgerbraten – Die Vorgangsbeschreibung im Fach Deutsch

Die Vorgangsbeschreibung im Fach Deutsch und das Schreiben von Rezepten scheinen traditionell eng miteinander verwoben zu sein. Ich kann mich an meine eigene Grundschulzeit erinnern, als vor ca. 20 Jahren Obstsalat geschnippelt wurde, und seit ich auf der anderen Seite des Pults stehe, ist mir nicht nur eine Kolleg*in begegnet, die mit Zutaten für Waffeln oder Gemüsespieße beladen ein Klassenzimmer ansteuerte, um dort eine erinnernswerte Live-Vorstellung zu vollführen.

Weil ich ganz genau wusste, dass „meine“ 6b mit Essen problemlos zu begeistern sein würde, entschied auch ich mich im vergangenen Schuljahr dafür, Rezepte in dem Mittelpunkt unserer Unterrichtseinheit zur Vorgangsbeschreibung zu rücken – wenngleich es mir ebenso verlockend erschienen wäre, einen Vorwand für das Spielen zu haben (nämlich passende Anleitungen zu formulieren) oder meine eigenen Kenntnisse im Wechseln von Fahrradschläuchen mal wieder aufzufrischen…

Da es Vorgangsbeschreibungen zu eigen ist, als Textsorte vergleichsweise streng formalisiert zu sein (was sich auch in der realen Verwendung widerspiegelt und nicht nur im Regularienkatalog des Deutschbuchs), beschloss ich, die Gelegenheit zu nutzen und nicht live Obstsalat zu schnippeln, sondern in meiner heimischen Küche Zubereitetes zu digitalisieren, um es zum Gegenstand des Unterrichts zu machen und dabei die Kompetenzen der SuS im Umgang mit den digitalen Medien ganz nebenbei ein bisschen zu erweitern.

In der Rückschau betrachtet, zählt die digitale Probe zum Thema „Frau Wahls leckere Cheeseburger“ zu meinen didaktischen Highlights des letzten Schuljahres – nicht allein deswegen, weil es die erste Prüfung war, die ich komplett digital abgehalten habe. Die Materialien für das Verfassen des Rezepts habe ich ebenso wie einiges aus der Sequenz aufbereitet, um sie hier auf dem Blog zur Verfügung zu stellen. Die Aufgabenstellung und die Hilfestellungen habe ich auf einer eigenen Seite hinterlegt, damit diese direkt aufgerufen werden kann, wenn du sie verwenden möchtest: https://diefraumitdemdromedar.de/vorgangsbeschreibung-cheeseburger

Gekürzte URL: http://tinyurl.com/digiburger

Sicherlich lassen sich diese auch in andere Settings einbinden – ich berichte im Folgenden einfach noch ein bisschen von dem, was ich damit im Frühjahr 2019 angestellt habe:

Das Lernziel

Bei der Vorgangsbeschreibung geht es allgemein darum, das genaue Hinsehen zu trainieren, einen Ablauf korrekt und verständlich wiederzugeben und schließlich den Leser zum Nachmachen zu befähigen. Spezifische Ziele im Deutschunterricht sind für gewöhnlich außerdem, die Verwendung des Passivs zu trainieren und Satzverknüpfungen einzuüben.

Die die Sequenz abschließende Prüfung bestand für meine S*S (6. Klasse Mittelschule Bayern, Deutschunterricht im 2. Halbjahr) also darin,

  • …aus einem kurzen Video die Reihenfolge von Arbeitsschritten für die Zubereitung von „Frau Wahls leckeren Cheeseburgern“ herauszufiltern und diese in der Präsentation korrekt anzuordnen.
  • …mittels Video und Memory eine exakte Zutatenliste zu erstellen.
  • …mittels Video und Wahr/Falsch-Fragen eine exakte Liste der Arbeitsmittel zu erstellen.
  • …die einzelnen Arbeitsschritte mit passenden, konkreten Beschreibungen zu versehen und sich dabei gegebenenfalls einer Wortwolke aus treffenden Verben zu bedienen.
  • …diese unpersönlich zu formulieren, bestenfalls im Passiv, und Verknüpfungen zu verwenden.
  • …auch die Titelfolie und die abschließenden Folien in passender Weise zu beschriften.

Digitale Vorkenntnisse der SuS:

  • Die S*S hatten bisher noch kaum mit PowerPoint gearbeitet, allerdings bot ihnen die vorgefertigte Präsentation genügend Orientierungspunkte. (Bei SuS mit mehr PPP-Erfahrung würde ich ein Rezept mit weniger Arbeitsschritten wählen, dafür aber alles selbst einfügen lassen.)
  • Was das Tippen betrifft: Die S*S hatten seit der 5. Klasse Tastschreibunterricht.
  • Insgesamt holperte der Umgang mit Desktop-PCs, Office, Schulnetz und Ordnerstruktur an zahlreichen Stellen – Zuhause werden vor allem Smartphones/Tablets verwendet, deswegen habe ich mich bei der ersten digitalen Prüfung für einen besonders sorgfältig vorbereiteten Rahmen entschieden, der mit steigender Sicherheit in den Abläufen natürlich unbedingt freier gestaltet werden sollte.

Die Arbeitszeit, die von den meisten S*S benötigt wurde, betrug 3 Schulstunden. Sie arbeiteten währenddessen für ihre Verhältnisse absolut konzentriert und motiviert, in der anschließenden Reflexion zeigten sie sich überrascht, dass es auch einmal Spaß machen könne, eine Probe zu schreiben. Niemand von ihnen beschwerte sich, dass die Zeit zu lang gewesen sei oder das Vorgehen zu anstrengend – was insbesondere deswegen bemerkenswert war, weil sonst einige der Lernenden in anderen Proben zu früh abgaben, weil sie einfach keine Ausdauer mehr hatten, um sich weiter mit der Prüfung zu beschäftigen.

Die zugehörige Sequenz

Wer denkt, dass eine zugehörige Sequenz vor allem im Computerraum stattfinden musste, der irrt. Sicherlich wäre es schön gewesen, noch mehr digital zu üben, gleichzeitig war es aber einfach aus zeitlichen und organisatorischen Gründen schlicht nicht möglich. Deswegen übten wir viel im Klassenzimmer – dann eben mit dem Smartboard oder klassisch analog – und betraten den PC-Raum während der Sequenz zweimal, um die Lieblingsrezepte abzutippen und um eine Vorübung zur Probe (das „Digitale Käsebrot“) zu machen, damit das Arbeiten mit Browser und Präsentation parallel trainiert werden konnte, bevor es dann ernst wurde.

Der Organizer zur Sequenz war ebenfalls an das Motiv des Burgers bzw. an die Form des Rezepts angelehnt. Er begleitete uns während der Arbeit als Orientierungshilfe. Passend dazu widmeten wir uns verschiedenen Übungen:

  • Wir stiegen ein mit einer allgemeinen Übersicht über Beschreibungen und veranschaulichten uns die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Rezepten, Aufbauanleitungen und Gebrauchsanweisungen (z.B. Regal vom Möbelschweden, Waffelrezept in Piktogrammform etc.).
  • Die Bestandteile von Rezepten erarbeiteten wir anhand der Lieblingsrezepte der Schüler*innen, die sie von Zuhause mitbrachten.
  • Isolierte Übungen:
    • Begriffe für Küchenutensilien erarbeiteten wir mithilfe von Bildkarten.
    • Das Passiv übten wir mit klassischen Grammatikübungen, gerne spielten wir aber auch eine abgewandelte Variante von Lesespielen, um spontan umzuformulieren.
    • Satzverknüpfungen trainierten wir zunächst mit einfachen Lückentexten, um ein Gefühl für den korrekten grammatischen Einsatz zu bekommen..
  • Als die Kompetenzen etwas weiter fortgeschritten waren, nahmen wir uns schriftliche Rezepte, die wir online gefunden hatten, zur Verbesserung vor. Es erwies sich beispielsweise als hilfreich, darin Verknüpfungen markieren zu lassen, um Zeitleisten zu erstellen oder auch die häufig mit Infinitiven formulierten Rezepte konsequent ins Passiv umformulieren zu lassen. (> hervorragende Differenzierungsgelegenheit, Aspekte gleichzeitig oder nacheinander bearbeiten zu lassen/Variation in der Menge der Hilfestellungen)
  • Viele der Schritte lassen sich auch hervorragend mit Rezept-Videos (z.B. auf Chefkoch.de, wo es das Rezept immer auch als Text gibt) trainieren. Beispielsweise kann man die SuS nur auf die Zutaten oder die Arbeitsmittel achten lassen oder eben die Sortierung von Arbeitsschritten in die richtige Reihenfolge üben.
  • Damit die SuS ein Gefühl für das bekamen, was in der Probe von ihnen verlangt wurde, gab es bereits vorab eine digitale Übung im PowerPoint-Format: Das digitale Käsebrot.

Downloads im Dromedar-Drive

Im entsprechenden Ordner im Dromedar-Drive sind als Download zu finden:

  • Bilddateien mit allen Arbeitsschritten, die ich während der Zubereitung aufgenommen habe
  • eine „Musterlösung“ in Form einer PPP, in der das Passiv sowie verbindene Elemente wie Konjunktionen/Demonstrativpronomina farbig markiert sind
  • eine durcheinandergewürfelte PPP ohne Inhalt (diese haben meine SuS als Vorlage für die Probe bekommen, ich habe sie im Schulnetzwerk zur Verfügung gestellt und bereits mit entsprechendem Namen gespeichert, um Überschreiben zu verhindern)
  • das von mir verwendete Bewertungsschema mit Punkteraster (welches ich für die Korrektur auf dem iPad mit einem PDF-Editor ausgefüllt habe/geht ebenso mit dem PDF-Editor und Kommentarfuntkion am PC)
  • Als Hilfestellungen:
    • die Word-Cloud-Grafik mit treffenden Verben
    • die H5P-Dateien mit den Hilfestellungen „Zutaten-Memory“ und „Arbeitsmittel – Wahr oder gelogen?“, falls du sie in eine andere Webseite einbinden oder auf mebis/moodle hochladen möchtest
  • Allgemeines aus der Sequenz:
    • mein Übersichtsblatt, das die Sequenz begleitet hat, passend zum Thema auch in Form eines Burgers
    • die Vorlagen für die Bildkarten (erstellt mit Dingbats-Schriftarten)
    • Übung „Das digitale Käsebrot“, um mit Powerpoint warm zu werden und das genaue Hinsehen zu trainieren

Ausblick

Nicht nur wegen des motivierenden Effekts auf die S*S würde ich das Vorgehen mit der digitalen Probe so wiederholen. Nach einer ersten erfolgreichen Durchführung werde ich im kommenden Schuljahr sicher noch stärker darauf achten, die S*S von Beginn des Schuljahres an intensiv mit den grundlegenden Arbeitsschritten am PC vertraut zu machen, damit die Aufgabenstellungen weiter geöffnet werden können. Ebenso wird es mir ein Anliegen sein, verstärkt digital und fächerübergreifend zu arbeiten und ich freue mich, bald hier darüber berichten zu können.

Ich freue mich auf Kommentare mit euren Erfahrungsberichten in digitalen Prüfungen & Co.! 😉

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